Wachstum dank Automatisierung

16. Jun 2008 | von Christoph Rohde | Kategorie: Wirtschaft
Das Logo der Automatica 2008
Das Logo der Automatica 2008
Die Automatica 2008 in München zeigte intelligente technische Lösungen für komplexe Systeme und Prozesse. Rund 30.000 Fachbesucher sahen, dass die Zukunft industrieller Fertigung im Schnittfeld menschlicher Ideen und technologischer Prozessinnovationen zu finden ist. Was kompliziert klingt, hat klare Ansprüche an Politik und Wirtschaft: Forschung, Entwicklung und Bildung sind mehr denn je zu fördern. Von Christoph Rohde

Die EU-Kommissarin für Informationsgesellschaft und Medien, Viviane Reding, staunte nicht schlecht, als sie die präzisen Bewegungen eines vierarmigen Transport-Roboters verfolgte, der verschiedene Kisten nach vorprogrammierten Kriterien sortierte und auf ein bestimmtes Förderband hievte.

Ein Schwerpunkt der EU-Förderungspolitik

Kommissarin Reding beim Messerundgang
Kommissarin Reding beim Messerundgang
Die Kommissarin hatte auf der Automatica die Gelegenheit, viele von der EU-Kommission geförderte Projekte zu begutachten. Kleine und mittelständische Firmen konnten auf der Messe ihre Produkte präsentieren. Reding betonte die Bedeutung der Automatisierung und Robotertechnik für die Zukunft des Industriestandortes Europa. Besonders kleine Firmen werden durch Initiativen der EU-Kommission gefördert – zum Beispiel durch die Coordination Action for Robotics in Europe (CARE) und die European Technology Platform for Robotics (EUROP). Die Vielzahl der eingereichten Projektanträge wertete Reding als sensationelle Resonanz. Die Europäische Union versucht mit Hilfe des Lissabonner Prozesses, ihre globale Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen. Allein die deutsche Roboterbranche steigerte 2007 den Umsatz um 13 Prozent auf jetzt 7,6 Milliarden Euro. In den kommenden Jahren wird ein Wachstum von fünf bis zehn Prozent erwartet.

Zusammenhang von Robotertechnik und Solarenergie

Gerade die komplexe Umwelttechnologie profitiert von der Automatisierung von Produktionsverfahren. Carsten Busch, Global Business Developer im Bereich Solarenergie bei ABB, zeigte auf, in welcher Weise Roboter-Verfahrenstechnologie und Solartechnik miteinander verzahnt sind. Die qualitätsabhängigen Siliziumplatten können nur mit Hilfe Qualität garantierender Anlagesysteme produziert und optisch geprüft werden. Dementsprechend befindet sich auch die automatisierte digitale Bildverarbeitung als Kontrollsoftware im Aufschwung. Denn die Roboter müssen beispielsweise Schweißpunkte im Nanometerbereich genau lokalisieren und ansteuern können. Robotertechnik garantiert hohe Qualitätsstandards und die effiziente Nutzung regenerativer Energien. Diese durchgängige Art der Materialprüfung erhöht die Zuverlässigkeit gerade in sicherheitssensitiven Bereichen wie dem Flugzeugbau, wo Materialermüdung frühzeitig erkannt werden muss.

Automatisierung schafft Arbeitsplätze und Sicherheit

Eines wurde von den Geschäftsführern führender Robotikunternehmen einhellig verkündet: Die Automatisierung sorgt dafür, dass viele Industriearbeitsplätze in Deutschland verbleiben können. Dies sind jedoch Tätigkeiten, die eine sehr gute Ausbildung erfordern. Diesen Zusammenhang bestätigte der Leiter des Roboter-Herstellers Reis Robotics, Dr. Michael Wenzel. Der Engpass für die Branche liegt im Moment im Bereich von qualifizierten Arbeitsplätzen – Rohstoffe sind teuer, aber verfügbar. Der Fachkräftemangel begrenzt die Wachstumszahlen in dieser Branche.

Roboter für gefährliche Arbeiten

Ethisches Dilemma: wenn Menschen durch Maschinen ersetzt werden
Ethisches Dilemma: wenn Menschen durch Maschinen ersetzt werden
Roboter sorgen laut dem Geschäftsführer des Fachverbands Robotik+Automation im VDMA, Thilo Brotmann dafür, dass viele ungesunde und gefährliche Arbeiten heute von Maschinen gemacht werden. Beispielsweise können Roboter Arbeitskräfte im Bereich giftiger Lackierarbeiten ersetzen. Verletzungsgefährdende Schweißarbeiten werden von Robotern präziser durchgeführt. Allerdings wirft der Einsatz von Robotern beispielsweise im Bereich der Pflege oder bei der Erntehilfe doch die ethische Fragestellung auf, ob hier nicht der Mensch in unzulässiger Weise durch mechanistische Systeme ersetzt wird. Jeder Anwendungsbereich muss sich deshalb nicht nur hinsichtlich der zu erwartenden Produktivität rechnen, sondern sollte auch hinsichtlich gesellschaftspolitischer Implikationen überprüft werden.

Entstehung von Kleinunternehmen

Schadnusch Nejad von der Firma ATM Vision hat spezielle Bildverarbeitungstechnologien entwickelt und auf Basis von Standardkomponenten realisiert. Das Monitoring-Verfahren erlaubt die Senkung der Fertigungskosten durch eine spezifische Art der lasergesteuerten Durchleuchtung sensibler Werkstoffe. Die hierbei verwendete Nanotechnologie ermöglicht die Aufdeckung kleinster Materialschwächen. Der Geschäftsführer der Firma, die 25 Mitarbeiter beschäftigt, wies auf die Schwierigkeiten von Firmen dieser Größe hin, an Forschungsgelder zu kommen. Trotz innovativer Verfahren und hoher Wachstumsraten sei es schwierig, die aufwändigen Bewerbungsverfahren durchzuführen. Und das, obwohl die Firma für den deutschen Gründerpreis nominiert ist.
Des Weiteren machte Nejad deutlich, dass formelle Patentschutzmaßnahmen zur Sicherung des Firmen-Knowhows wirkungslos seien. Die Firma müsse ihre Produktionsverfahren so spezifizieren, dass individuelle Lösungsansätze unvermeidlich würden, so dass die Motivation zum Klau von Ideen automatisch gesenkt werden könnte.

Mittelstand als Wachstumsmotor

Die weltweit größte Messe für Robotertechnologie zeigte, dass die wirtschaftliche Zukunft in der kreativen Synthese von Produkt- und Prozessinnovation liegt. Es sind überwiegend Klein- und Mittelbetriebe, die durch Ingenieurskunst, unternehmerischen Mut und durch neue Formen inter-betrieblicher Zusammenarbeit Arbeitsformen entwickeln, die nicht einfach substituierbar sind. Das heißt: Das Know-how auf der Prozessebene wird in höchst individueller Weise produktreif gemacht. Umwelt- und Verfahrenstechnologie bleiben die Pfeiler des deutschen Exports.

Permanente Fortbildung gefordert

logo_automaticaRosige Zeiten stehen Ingenieuren im Bereich des Anlagebaus und der Solarenergie bevor. Denn diese Humanressourcen werden selber nicht einfach ersetzt werden können. Die Personalpolitik vieler Unternehmen besteht in der permanenten Weiterbildung ihrer Mitarbeiter. Wichtig ist es für Politik und Wirtschaft, auf der bildungspolitischen Ebene die Voraussetzungen für nachhaltiges Wachstum zu schaffen, welches vom High-Tech-Bereich dann auch auf andere Wirtschaftsbereiche überspringen kann.


Die Bildrechte liegen bei der Messe München.


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