„Wir haben einfach unsere Linie“

Zuwanderer als österrichische Patrioten und eine absolute Mehrheit bei den Jungen. Der Wiener FPÖ-Politiker Harald Stefan sprach mit /e-politik.de/ über die Nationalratswahlen, Heimatbegriff und Zuwanderung in Österreich. Ein Interview von Lennart Faix

Harald Stefan ist Bezirksparteiobmann der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ) im Wiener Bezirk Simmering. Dort hat die FPÖ mit 29,6 Prozent der Stimmen das beste Wahlergebnis in ganz Wien eingefahren. Bundesweit lag die Partei bei 17,5, in Wien bei etwa 20 Prozent. Durch Gespräche mit seinem Vater war der heutige Notar schon früh politisch interessiert. Dabei war ihm immer klar, dass er sich in einer nationalen Organisation engagieren wollte. Während des Studiums war er Mitglied des Rings Freiheitlicher Studenten. 1990 trat er der FPÖ bei. /e-politik.de/ sprach mit Stefan über das Ergebnis der Nationalratswahlen und den Umgang mit Zuwanderern in Österreich.

/e-politik.de/: Herr Stefan, bei den diesjährigen Nationalratswahlen hat die FPÖ in Simmering einen Stimmenzugewinn von fast zehn Prozent erreicht. Wie erklären Sie sich diesen Zuwachs?

Harald Stefan: Erstens fühlen wir uns als Heimatpartei und zweitens sehen wir uns in einer sozialen Verantwortung. Diese Punkte scheinen bei der Wählerschicht in Simmering anzukommen, besonders bei jungen Menschen. Es gibt Umfragen die besagen, dass wir unter den 16- bis 19-Jährigen, die jetzt erstmalig wählen durften, bundesweit 44 Prozent der Stimmen bekommen haben und auch bei den Unter-30-Jährigen über 30 Prozent Stimmenanteil. Das heißt, wir müssen in solchen Bezirken wie in Simmering eine absolute Mehrheit bei dieser Wählergruppe haben.

/e-politik.de/: Sehen Sie bestimmte Ursachen dafür, dass gerade die jungen Menschen so häufig FPÖ gewählt haben?

Harald Stefan: Ganz wichtig ist das Gefühl, dass man etwas wert sein will. Man will etwas gelten und man will Selbstbewusstsein. Die Menschen schätzen an uns, dass wir sagen: Wir sind hier in Österreich, da gibt es gewisse Spielregeln. Wer hier herkommt hat sich dem anzupassen und das akzeptieren die jungen Leute sehr stark.

/e-politik.de/: Knapp jeder fünfte Wiener ist Ausländer, viele österreichische Familiennamen erinnern noch an einen ausländischen Ursprung. Ist Österreich nicht schon längst eine Multikulti-Gesellschaft?

Harald Stefan: Eine Multikulti-Gesellschaft ist es sicherlich nicht. Wien war immer großer Träger der deutschen Kultur. Das hat sich auch nie grundlegend geändert, auch wenn jetzt viele hier leben, die nicht hier geboren wurden. Die Familiennamen, die Sie ansprechen, muss man von der heutigen Zuwanderung unterscheiden. Während der Monarchie zogen viele Menschen aus dem Umländern nach Wien. Diese waren aber kulturell eng verwandt zum Beispiel durch die gemeinsame, christliche Religion. Zudem wurde die vorherrschende deutsche Kultur als Leitkultur anerkannt. Schon in der zweiten Generation waren diese Menschen als Zuwanderer nicht mehr unterscheidbar. Seit den 60er/70er-Jahren haben wir eine zweite Zuwanderung und mittlerweile lebt auch ein hoher Anteil von Zuwanderern in Wien. Viele von ihnen haben sich hier gut eingefunden und Österreich ist für sie eine neue Heimat geworden. Laut einiger Umfragen haben diese Menschen, vor allem deren zweite Generation, auch überproportional FPÖ gewählt.

/e-politik.de/: Woran, glauben Sie, liegt das?

Harald Stefan: Diese Menschen haben das Gefühl, ich bin jetzt hier und wenn ich hier etwas leiste, dann geht es mir hier gut. Jetzt will ich aber nicht, dass das durch eine ungehinderte Zuwanderung oder durch Zuwanderung kulturell fremder Menschen verändert und vielleicht zerstört wird. Die fühlen sich von unserem Patriotismus mit umfasst und angesprochen.

/e-politik.de/: Welche Probleme sehen Sie bei der neuen Zuwanderung?

Harald Stefan: Wir stehen schon vor dem Problem einer möglichen Parallelgesellschaft. Die Hauptursache ist die kulturelle Ferne, damit meine ich insbesondere die Zuwanderer aus der Türkei. Diese Menschen sind kulturell viel weiter entfernt als diejenigen aus den Nachbarländern und viele Österreicher empfinden sie als eine abgeschottete Gruppe. Oft bleiben die Frauen unter sich und erlernen selbst nach Erlangen der österreichischen Staatsbürgerschaft die deutsche Sprache nicht. Sie ziehen sich in ihre Kulturvereine zurück, haben ihre eigenen Geschäfte und sehen türkische Fernsehsender. Oft sprechen selbst 15-jährige der zweiten Generation nicht ausreichend deutsch, um hier wirklich bestehen zu können. Natürlich gibt es integrierte Türken, aber in der Summe gesehen ist diese Gruppe am wenigsten integriert.

/e-politik.de/: Welche demographischen Auswirkungen wird das haben?

Harald Stefan: Es ist nicht absehbar, wie das weitergehen soll. Diese Gruppe wird immer größer, sie ist sehr vital und bekommt relativ viele Kinder. Deshalb sagen wir: Unsere Familien gehören gestärkt, weil wir meinen, dass eine Gesellschaft nur aus sich heraus gesund werden kann. Demokratie als Herrschaft des Volkes setzt ein Volk voraus, keine zusammen gewürfelte Gesellschaft ohne Solidarität.

/e-politik.de/: Der FPÖ wird oft vorgeworfen an „dumpfe Nationalismen“ zu appellieren. Müsste sich Ihre Partei nicht klarer vom Rechtsradikalismus distanzieren?

Harald Stefan: Wir sind der Meinung, dass Völker etwas zu Bewahrendes sind, weil sie verschiedene Ansätze darstellen, das Leben zu meistern. Wem Begriffe wie Nation oder Heimat nichts sagen oder wer das ablehnt, der wird das vielleicht als dumpf bezeichnen. Wir haben einfach unsere Linie und sehen deshalb auch keine Notwendigkeit uns von irgendwem zu distanzieren. Wenn jemand provozieren will, indem er rechtsradikale Parolen brüllt, dann ist das sein Problem und hat mit uns nichts zu tun. Wir sind eine patriotische Kraft. Wir wollen ganz klar eine gewisse Eigenständigkeit unseres Staates. So sind wir zwar für die Europäische Integration, aber eben für ein Europa der Nationen. Wir wollen keinen Einheitsstaat, in dem alle Kulturen und Völker ineinander verfließen.

/e-politik.de/: Auf der Homepage der FPÖ gibt es einen Link, mithilfe dessen die Benutzer Fälle von „Inländerdiskriminierung“ melden können. Erklären Sie doch bitte Sinn und Notwendigkeit dieses Angebots.

Harald Stefan: Das kann ich gern erklären. Diskriminierung ist auch hier in Österreich ein großes Thema. Es gibt Vereine, die Berichte schreiben, in denen sie solche Fälle dokumentieren. Das bezieht sich aber immer auf die Diskriminierung von Ausländern. Tatsächlich ist es aber gar nicht selten umgekehrt. Österreicher werden von Ausländern attackiert, weil sie Österreicher sind. Uns sind auch viele Schilderungen bekannt, dass Österreicher Schwierigkeiten haben, weil die Nachbarn sich nicht an das halten, was man hier üblicherweise unter einem Zusammenleben versteht, also Lautstärke, Geruch und so weiter. Uns geht es darum anhand konkreter Fälle zu zeigen, was sich hier wirklich abspielt. Es soll nicht immer stehen bleiben, Österreich sei ein rassistisches Land und für Ausländer unerträglich. Ich finde das auch nicht besonders glaubhaft, sonst würden nicht so viele zu uns kommen.

/e-politik.de/: Herr Stefan, wir danken für das Gespräch.


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Die Bildrechte liegen beim Autor (Stefan, Titelbild).


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