Schonungslos er selbst

12. Jul 2008 | von Florian Baumann | Kategorie: Politisches Kabarett
Der Kabarettist selbst
Der Kabarettist selbst
„Hader spielt Hader“, ein bunt gemischtes Potpourri seiner Soloprogramme aus den vergangenen Jahren. Florian Baumann war für /e-politik.de/ im Lustspielhaus München dabei.

Einen „Themenabend Humanismus“ verspricht Josef Hader eingangs, gelangt aber schnell zu der Einsicht, dass Humanismus nichts bringt. Aus zweitausend Jahren Philosophie zieht er den Schluss: „Solangst die Fresse hältst, merkt keiner was für a Depp das du bist.“ Nach wenigen Minuten ist damit das Thema Metaphysik abgeschlossen und Hader arbeitet sich an den Höhen und Tiefen des Alltags ab. Und schließlich bietet das Leben selbst doch viel mehr Stoff als Sokrates und Platon.

Urlaub oder Scheidung

Vor allem seine Frau, also seine Ex-Frau spielt dabei eine große Rolle, obwohl die Entscheidung sich zu trennen damals sehr schnell gefallen ist. Die Wahl zwischen Scheidung und Urlaub ist dem österreichischen Kabarettisten leicht gefallen. „Ein Urlaub ist gleich vorbei. A Scheidung hast für’s ganze Leben.“ Aber auch für andere Lebenslagen, von A wie Amstetten bis V wie Vorurteile, hat er die passenden Tipps parat. Dabei spielt Hader mit der Erwartung des Publikums auf Pointen, die nicht immer kommen.

Trotz der Devise „Bei Kunst ist es wichtig, dass sie fad ist“ lohnt sich ein Besuch beim schwärzesten Polit-Kabarettisten der Alpenrepublik eigentlich immer. Allerdings muss man bei Josef Hader aufpassen, wie bei keinem seiner Kollegen sonst. Die eigentliche Botschaft ist oft versteckt, hinter Zoten und Wiener Schmäh. Aus Wien stammt auch seine Affinität zum Thema Tod. Aber selbst den nimmt Hader gelassen und hat schon eine ganz klare Vorstellung von seiner letzten Ruhestätte. Eine selbstgetöpferte Urne sollte es sein. „Da ist man intensiver tot.“

Gelassenheit statt Rücksicht

Hader im Lustspielhaus
Hader im Lustspielhaus
Leben, oder Ableben und alles was dazwischen ist, Josef Hader nimmt weder ein Blatt vor den Mund, noch Rücksicht auf irgendwen. Weniger Aufgeregtheit gegenüber dem Alltag ist wohl auch die Lehre, die er seinem Publikum mit auf den Heimweg geben möchte. Die heimischen Polstermöbel können da als Vorbild dienen: „Was kann man von am Sessel lernen? Vielleicht die Gelassenheit gegenüber jedem Arschloch.“

Während Haders letztes Soloprogramm „Hader muss weg“ um eine Tankstelle kreiste, landete er an diesem Abend bei Jörg Haider in der Hölle. Der Eingang zu „Luzis“ Reich liegt tief versteckt im Wiener Kanalsystem. Wie er den Teufel hereinlegte und warum Jesus an einer Alkoholvergiftung gestorben ist, lässt man sich am besten von Hader selbst erklären. Von jedem anderen wäre diese Geschichte unglaubwürdig.

Wilder Höllenritt

Früher waren Hämorrhoiden eines der Lieblingsthemen von Josef Hader. Heute richtet sich sein Blick mehr auf das Leben und Sterben an sich. Angepasst oder einfacher ist er dabei nicht geworden. So wie einige Jung-Kabarettisten, deren Hauptproblem zu viele „VW-Bestandteile im Porsche sind“, will er auch gar nicht werden. Seine Fans werden es ihm danken.

„Hader spielt Hader“ gibt einen tiefen Einblick in das Schaffen eines Künstlers, der über all die Jahre vor allem eines geblieben ist: Schonungslos er selbst. Wer Hader mag, wird daran seine Freude haben. Alle anderen sind bei Mario Barth und Co. besser aufgehoben. Wer sich allerdings auf Haders verbalen Parforceritt einlässt, sollte auch wissen warum. Wenn die „Leut’ ganz unreflektiert kommen“ sind sie selber schuld. Macht aber nix, denn schließlich werden die „wesentlichen Sachen immer wichtiger. Die unwesentlichen nicht.“

Weitere Termine:

Lustspielhaus München

Hader im Internet


Die Bildrechte liegen beim Lustspielhaus München.


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