Nachhaltiges Investment liegt im Trend

08. Apr 2008 | von Iris Pufé | Kategorie: Umwelt

Rueters Foto_1.jpgMit den Schlagworten „Öko“ und „Sozial“ lässt sich Geld machen. Unternehmen, die das erkennen, haben einen klaren Wettbewerbsvorteil. Die Ratingagentur für Nachhaltigkeit Oekom Research prüft, wie umwelt- und sozialverträglich Betriebe tatsächlich sind. Von Iris Pufe.

Oekom Research ist eine geschäftspolitisch und wirtschaftlich unabhängige Agentur in München, die seit 1993 auf dem Markt für nachhaltige Investments tätig ist und damit zu den Pionieren auf diesem Gebiet zählt. Die Verantwortliche für den Bereich Versorgungsindustrie bei Oekom Research ist Kristina Rüter, Diplom-Ingenieurin mit dem Schwerpunkt technischer Umweltschutz. Sie erklärt, wie sich ökologische und soziale Nachhaltigkeit messen lässt und warum das für Investoren interessant ist.

/e-politik.de/: Was habe ich mir unter einer Ratingagentur für Nachhaltigkeit vorzustellen?

Kristina Rüter: Wir analysieren börsennotierte Unternehmen anhand ökologischer und sozialer Kriterien. Zu uns kommen Investoren, die neben der klassischen Finanzanalyse auch andere Faktoren in ihre Finanzplanung einbeziehen wollen.

/e-politik.de/: Definiert Oekom Research Nachhaltigkeit stärker sozial oder umweltbezogen?

Kristina Rüter: Das ist branchenabhängig. Bei Versorgern stehen die ökologischen den sozialen Kriterien im Verhältnis von sechzig zu vierzig gegenüber, bei anderen Branchen – wie zum Beispiel der Textilbranche und im Einzelhandel – verhält es sich genau umgekehrt.

/e-politik.de/: Wer sind Ihre Kunden?

Kristina Rüter: Zu unseren rund vierzig Kunden zählen institutionelle Investoren, beispielsweise Versicherungen wie die Münchner Rück oder auch Pensionskassen. Dazu kommen Vermögensverwalter und Banken wie beispielsweise UBS und Hypovereinsbank.

/e-politik.de/: Wie gehen Sie beim Analysieren und Bewerten vor? Wie kommen Sie zu Ihrem Rating?

Kristina Rüter: Die Unternehmen werden nach etwa achtzig Kriterien, den Nachhaltigkeitsindikatoren bewertet. Die Unternehmensleistung wird für jeden Indikator einzeln benotet. Das Ganze wird dann unter Berücksichtigung der prozentualen Gewichtung jedes einzelnen Indikators zu einer Gesamtnote verrechnet.

/e-politik.de/: Bei der hohen Anzahl von Indikatoren dürfte sich ein klares Bild ergeben.

Kristina Rüter: Es ergibt sich auf jeden Fall ein sehr ausdifferenziertes Bild. Die Kunst und Schwierigkeit ist, wie man die Indikatoren operationalisiert – also welcher Inhalt oder Sachverhalt zu welcher Note führt. Wir haben unseren eigenen Standard zur Bewertung entwickelt.

Oekom_Research_Logo.jpg/e-politik.de/: Können Sie ein Beispiel nennen? Welchen Fragen gehen Sie bei der Analyse nach?

Kristina Rüter: Im sozialen Bereich werfen zum Beispiel Zuliefererbeziehungen Fragen auf wie: Welche Mindestarbeitsstandards müssen meine Zulieferer erfüllen etwa bei der Gewerkschaftsfreiheit, bei Mindestlohn und Arbeitssicherheit. Beispiele für ökologische Kriterien sind das Ausmaß des Engagements in erneuerbare Energien, ihre Investition in Forschung oder auch, inwiefern Geschäftsreisen umweltverträglich gestaltet werden. Daneben gibt es viele branchenspezifische Fragen. Ein Computerhersteller muss andere Anforderungen erfüllen als ein Energieversorger.

/e-politik.de/: Auf welche Quellen beziehen Sie sich beim Bewerten?

Kristina Rüter: Wir werten Informationen der Unternehmen, die wir analysieren, aus. Das sind beispielsweise Nachhaltigkeitsberichte, Broschüren oder Webseiten. Ein umfassendes Media-Screening, Interviews mit unabhängigen Experten und Spezialisten in Nichtregierungsorganisationen wie WWF oder amnesty international vervollständigen unsere Analysen.

/e-politik.de/: Geben die Unternehmen auch vollständige und korrekte Auskunft?

Kristina Rüter: Das ist ganz unterschiedlich, oft variieren die Transparenz und der Umfang der Berichterstattung stark. Die Verlässlichkeit und Glaubwürdigkeit der Angaben können wir teilweise überprüfen, indem wir sie durch Zertifizierungen oder mit externen Quellen abgleichen.Foto_oekom_resrch_Labor.jpg

/e-politik.de/: Welches ist das vorbildlichste Unternehmen, das Sie betreuen?

Kristina Rüter: Gut schneiden beispielsweise Centrica, ein Gas- und Stromversorger aus England, und Iberdrola, ein Stromerzeuger aus Spanien, ab.

/e-politik.de/: Oekom Research hat 15 Jahre Erfahrung mit Unternehmensanalysen und behauptet sich mit stetig steigender Nachfrage am Markt für nachhaltiges Investment. Wie sehen Sie die Zukunftschancen von nachhaltigkeitsbezogenen Ratingagenturen? Glauben Sie, sie bleiben ein Nischenangebot?

Kristina Rüter: Der Markt für nachhaltiges Investment wächst sehr stark. Das Nachhaltigkeitsthema gelangt aus der “Öko-Nische” in den Mainstream, weil erkannt wird, dass ökologische und soziale Verantwortung Risiken minimiert. Deshalb glauben wir: In Zukunft sind Nachhaltigkeitsaspekte und entsprechende Ratings Standard bei Bewertungen für den Kapitalmarkt.


Die Bildrechte (Foto Kristina Rüter, Logo und Labor) liegen bei Oekom Research.


Weiterführende Links:

Oekom Research AG

Corporate Social Responsibility, Europäische Kommission

Lexikon der Nachhaltigkeit

Die 35 besten Nachhaltigkeitsberichte 2005


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Ein Kommentar
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  1. Ein sehr gutes Informationsmedium für umweltfreundliche Geldanlagen ist auch http://www.ecoreporter.de

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