„Es kann nie genug Blöde geben“

Was soll man tun einer Welt, in der nichts mehr sicher scheint? Weder die Finanzmärkte, noch das Verhältnis von Mann und Frau, ja, nicht einmal die absolute Mehrheit der CSU in Bayern? Diese und weitere essentielle Fragen stellt sich der türkisch-niederbayrische Kabarettist Django Asül in seinem neuen Programm „Fragil“. Florian Baumann und Patrick Riordan waren für /e-politik.de/ bei der Premiere im Münchner Lustspielhaus.

Der Mann, der um 20.30 Uhr die Bühne des ausverkauften Münchener Lustspielhauses betritt, ist den Leuten bekannt und erntet sofort lauten Beifall. Optisch sind seine türkischen Wurzeln unverkennbar, in der Sprache schlägt sich die niederbayrische Heimat mehr als deutlich nieder. An diesem Abend präsentiert er sein viertes Soloprogramm „Fragil“. Offiziell ist an diesem Abend die Premiere, doch Django Asül hat durchblicken lassen, dass er als Kabarett-Profi nichts dem Zufall überlässt und das Programm schon einige Male auf kleineren Bühnen, zum Beispiel in Wangen im Allgäu, ausprobiert hat.

Der Niederbayer mit dem türkischen Pass wurde 1972 geboren, absolvierte das Gymnasium und eine Banklehre. In der Bank hielt es ihn nicht lange und nach einer kurzen Selbstfindungsphase, in der er unter anderem als Tennislehrer arbeitete, wagte er 1996 die ersten Schritte als Kabarettist. Sein erstes Programm „Hämokratie“ schlug auf Anhieb so ein, dass er nach der Tournee durch Deutschland und das befreundete Ausland – England, Italien, Hessen – so die Information auf seiner Website, in allen wichtigen Comedy-Shows im Fernsehen, von Harald Schmidt bis Rudi Carrell, auftrat. Es folgten die beiden Programme „Autark“ (2001) und „Hardliner“ (2004), die ebenfalls große Erfolge feierten.

Wahlkampfthema Bildung: „Wooos?“

Das Publikum hat es also mit einem Profi zu tun, und professionell meistert Django Asül auch den Einstieg in das neue Programm. Er beginnt mit dem unvermeidlichen Rundumschlag gegen die bayerische Landespolitik nach der Landtagswahl am 28. September. Als Leitthema für den Wahlkampf hatte die CSU-Spitze das Thema Bildung ausgerufen, worauf das Kabinett mit einem euphorischen „wooos?“ reagierte. Dabei drischt Asül auf jeden ein, der mit dem Wahldebakel der CSU etwas zu tun haben könnte. Höchstverdächtig ist natürlich der damalige Finanzminister und Parteivorsitzende Erwin Huber, der bei den Verlusten der BayernLB nach dem „Prinzip ebay“ vorgegangen sei: Bei Null angefangen hatte Huber sich schrittweise auf 3,9 Milliarden Verlust gesteigert. Die Gunst der Stunde nutzend lief sich „Bayerns Antwort auf Barack Obama, Horst Seehofer“, in diesem Moment schon mal warm.

Doch auch die anderen Parteien kriegen ordentlich ihr Fett weg. Der SPD wirft er ihre seltsame Definition von Erfolg – Misserfolg der anderen – an den Kopf. Anders kann Asül sich nicht erklären, warum der Spitzenkandidat Franz Maget nach dem schlechtesten Ergebnis der SPD in Bayern seit über 60 Jahren erklärte, er sei bereit Verantwortung zu übernehmen. Und die Freien Wähler, die als Gewinner der Wahl gelten, bezeichnete er als „Guerilla aus Ex-CSU-lern“, die vor allem von einer Gruppe gewählt wurde: von „Nichtwählern, die aus Protest zur Wahl gingen“.

„Selbstmordattentäter schulen auf Investmentbanker um“

Diese Pointen ziehen beim politisch offenbar gut informierten Publikum von Anfang an, die Leute lachen und applaudieren. Geschickt leitet Asül von der Landespolitik über zu den richtig wichtigen Problemen unserer Zeit, etwa die Finanzkrise. Asül erklärt das Handeln von Investmentbanken folgendermaßen: Sie suchen sich einen Blöden, der ihnen Blödsinn abkauft und sich von einem noch Blöderen das Geld dafür leiht. Das habe einige Zeit gut funktioniert, bis alle Blöden in dem Schlamassel verwickelt waren und es zum Kollaps kam. Asüls Folgerung: „Es kann nie genug Blöde geben“.

Dann wechselt er die Perspektive und betrachtet das Ganze aus der Warte der Terroristen von al-Qaida: „Wir Deppen sprengen uns an Ast“ aber die Banker sind weitaus effektiver dabei, die Welt zu erledigen. Kurz vor der Pause werden noch Themen wie das Buch „Feuchtgebiete“ – „Gestank als Fahne des modernen Feminismus“ – und Integration – „Integration ist, wenn der Attentäter erst deutsch lernt und dann die Bombe baut“ – angeschnitten.

„Wenn der Darm den Kopf blockiert, ist die Psyche im Arsch“

Nach der Pause pickt sich Asül spontan einen Studenten aus dem Publikum heraus, der „a Haubn“, also eine Mütze, trug. Der BWL-Student wolle sich so wohl als Sozialpädagoge tarnen. Darauf kommt Asül im weiteren Verlauf noch einige Male zurück, was leider bezeichnend ist für die zweite Hälfte des Programms.

In der zweiten Hälfte des Programms kann Asül nicht an den scharfen und intelligenten Witz des ersten Programmteils anknüpfen und der Esprit des Einstiegs war nicht mehr vorhanden. Das liegt vor allem an den Alltagssituationen die er in Form verschiedener Personen nachspielt. Das Gespräch dreier Bayern vor einer Würstelbude auf dem Land, ein Fußballtrainer, der viel mit Jugendlichen mit Migrationshintergrund arbeitet oder den Betreiber eines Fitnessstudios, der auf die zentrale Bedeutung der Gesundheit des Darms für das Wohlbefinden hinweist.

Diese Zwischenspiele dauern alle zu lang. Sie sind zwar gut gemacht und enthalten einige nette Lacher, doch die Hälfte hätte gereicht. Das Programm endet relativ abrupt und Asül erhält langen und lauten Beifall. Die Leute haben ein Programm gesehen, dass vor allem in seiner ersten Hälfte durch die pointierte Betrachtung der Landespolitik und ihrer Hauptdarsteller besticht. Vielleicht war diese Premiere in München doch auch ein Testspiel mit Publikum. Dann könnte Asül beim nächsten Mal einige Passagen kürzen und so sicher an frühere Erfolge anschließen.


Die Bildrechte liegen bei Django Asül bzw. bei Rainer Rosenow (Porträt).


Lesen Sie mehr bei /e-politik.de/:

Das Ende der Unfähigen

Zehn Jahre Bayerischer Kabarettpreis

So grausam kann Alltag sein

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.