Der Iran bastelt an der Bombe

18. Aug 2008 | von freier Autor | Kategorie: Internationale Politik
Iranische Atomanlage in Natanz: Will das Land die Bombe?
Iranische Atomanlage in Natanz: Will das Land die Bombe?
Der Iran will die Bombe. Das ist eine einfache Wahrheit, die bequem in fünf Worte gepackt werden kann. Ein Land, das auf den zweitgrößten Erdgasreserven der Welt sitzt, braucht keinen Atomstrom. Ein Land, das alle Hilfsangebote ablehnt, damit es Energie  gewinnen kann, will auch keinen Atomstrom. Es will Atomwaffen. Und nur deshalb reichert der Iran unbeirrt Uran an. Ein Kommentar von Hannah A. Bloch

Mittlerweile spricht sogar die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) offen aus, dass der Iran die Atombombe will. Im Mai veröffentlichte sie einen Bericht zum Stand des iranischen Atomprogramms. Darin kritisierte die Behörde die mangelnde Transparenz des Programms und kam zu dem Ergebnis, dass der Iran mit großer Wahrscheinlichkeit ein geheimes Nuklearwaffen-Programm betreibe.

Deshalb spielt der Iran seit fünf Jahren Katz und Maus mit der internationalen Gemeinschaft, die ihn dazu bewegen will, seine Uran-Anreicherung zu beenden. Die Hauptakteure des Spiels sind auf der einen Seite die fünf ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrates plus Deutschland und auf der anderen das Regime in Teheran. Am 2. August verstrich ein neuerlicher Stichtag für ein Entgegenkommen der Iraner und nun wird sich wohl der Sicherheitsrat noch einmal mit dem iranischen Atomprogramm befassen. In drei Resolutionen ist der Iran bereits zum Einlenken aufgefordert worden – jede von ihnen war verbunden mit schwachen Sanktionen. Bewirkt haben sie nichts. Stattdessen brüstet sich Irans Präsident Ahmadinedschad kürzlich damit, sein Land habe 6000 weitere Zentrifugen zur Urananreicherung installiert. Experten, wie der US-amerikanische Atomphysiker Peter Zimmerman warnen davor, dass der Iran damit schon in naher Zukunft in der Lage sein könnte, Atomwaffen herzustellen.

Die Hoffnungen der internationalen Gemeinschaft, den Konflikt mit dem Iran friedlich beizulegen, sind groß – aber sie schrumpfen mit jeder gescheiterten diplomatischen Offensive. Mitte Juli traf EU-Chefdiplomat Javier Solana in Genf mit dem iranischen Chefunterhändler Said Dschalili zusammen, um die neueste internationale Offerte zu besprechen. Das Treffen endete wie jene zuvor. Dschalili zeigte den 5+1-Staaten die kalte Schulter, obwohl diese ein umfangreiches Paket aus technologischen und wirtschaftlichen Anreizen auf den Tisch gelegt hatten. An einen Stopp der Uran-Anreicherung denkt das Regime in Teheran auch weiterhin nicht. Das iranische Verhalten zeigt nur einmal mehr, dass es dem Iran einzig und allein darum geht, in den Besitz der Atombombe zu gelangen.

Präsident Ahmadinedschad hält iranische Staatsräson aufrecht
Präsident Ahmadinedschad hält iranische Staatsräson aufrecht
Das Atomprogramm macht besonders die Israelis nervös, denn es ist kein Geheimnis, dass eine iranische Bombe vor allem für den jüdischen Staat eine Bedrohung darstellt. Die Vernichtung Israels ist Teil der iranischen Staatsräson seit der Islamischen Revolution von 1979 – und nicht erst seit den verbalen antisemitischen Ausfällen des iranischen Präsidenten Ahmadinedschad. In Israel wird deshalb seit längerem offen über einen Angriff auf die iranischen Atomanlagen nachgedacht. Die Zeit dafür wird aus israelischer Sicht immer knapper. Niemand weiß, ob der nächste amerikanische Präsident ebenso uneingeschränkt an der Seite Israels stehen wird wie George W. Bush. Und ohne amerikanischen Rückhalt werden die Israelis nur ungern vorgehen. Das macht einen Angriff noch vor dem Ende von Bushs zweiter Amtszeit wahrscheinlicher.

Auch die arabischen Nachbarn des Iran rutschen zunehmend auf ihren Stühlen. Das Kräftegleichgewicht in der Region, das vor allem von den Gegenpolen Iran-Irak bestimmt war, hat sich seit dem Irakkrieg zugunsten des Iran verlagert – zum Erschrecken der Golfstaaten. Ein nuklear bewaffneter Iran könnte Länder wie Saudi-Arabien animieren, ein eigenes Nuklearprogramm zu betreiben, um das Gleichgewicht wiederherzustellen. Ein atomares Wettrüsten wäre die Folge. Am Golf gehen vereinzelte Stimmen deshalb sogar soweit, einen israelischen Militärschlag zu bevorzugen. Erst kürzlich nannte der Sicherheitsberater der kuwaitischen Regierung, Sami Al Faraj, einen israelischen Angriff auf den Iran das geringere Übel gegenüber einem nuklear bewaffneten Iran.

Die Konsequenzen eines Militärschlags sind nicht vorauszusehen, und es ist im Interesse aller – nicht nur Israels – es nicht soweit kommen zu lassen. Zwar sind bereits Sanktionen verhängt worden. Doch sie greifen offensichtlich nicht, wenn es möglich ist, dass die Siegener Firma Steiner-Prematechnik-Gastec (SPG) drei Gasverflüssigungsanlagen in den Iran liefern will, wie Ende Juli bekannt wurde. Vom Wirtschaftsministerium ist der 100-Millionen-Euro-Deal abgesegnet worden. Und was nützen da die schönen Worte Angela Merkels vor der Knesset, die in ihrer Rede betonte, die Sanktionen gegen den Iran vorantreiben zu wollen, weil die Sicherheit Israels Teil der deutschen Staatsräson sei?

Iranische FlaggeZwölf Monate hatte sich das Wirtschaftsministerium mit dem SPG-Geschäft befasst, um zu dem Ergebnis zu kommen, es sei durch die Sanktionen nicht betroffen. Aber diese Politik der Winkelzüge verstößt gegen den Geist der Sanktionen. Echter Druck auf den Iran kann damit nicht aufgebaut werden. Soll eine militärische Reaktion Israels verhindert werden, muss der Iran auf wirtschaftlichem Weg schmerzhaft zu spüren bekommen, dass ein nuklear bewaffneter Iran nicht akzeptabel ist. Wenn die deutsche und internationale Politik dabei selbst nicht den Ansprüchen genügen, die sie proklamieren, und wirtschaftliche Interessen vor Moral und Staatsräson stellen, wird dies nur eine Folge haben: die Bombe in der Hand der Mullahs. Und dann müssen sich nicht nur die Israelis Sorgen machen.


Die Bildrechte sind gemeinfrei oder unterliegen der Creative Commons Lizenz (Anlage: Hamed Saber/flickr).

 


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5 Kommentare
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  1. Muss man sich nicht am Ende des Artikels die Frage stellen, wie ein wirksames Wirtschaftsembargo zu Stande kommen soll, wenn Russland und China nicht mitspielen?
    Natuerlich ist ein Militaerschlag durch die Israelis/USA mit Sicherheit nicht zu bevorzugen, zumal er wahrscheinlich nicht einmal besonders erfolgreich waere, und den gesamten Mittleren Osten entflammen wuerde.
    Waere es nicht vielleicht an der Zeit umzudenken und sich den Fakt, dass Regierung nicht gleich Gesellschaft ist, zu Nutze zu machen. Dies ist gerade im Iran sehr viel versprechend, da die Iraner immer schon sehr liberal eingestellt waren und von der Uebernahme der Revolution durch Khomeini nie viel gehalten haben. Warum also nicht die kritische Zivilgesellschaft staerken und gegen das Regime in Teheran ausspielen.
    Die aggressive Rhetorik durch den Westen treibt die Leute eher in die Arme der Mullahs, denn ein aeusserer Feind hat noch jede Regierung im Inneren gestuetzt.

  2. We in Israel have a very programmatic way of approaching things:

    The suggestion of supporting the population from within (Mr. Raphael Thelen) is certainly very beautiful minded yet a “bit” fantastic if I may say so.

    Please do that, support the opposition, but I promise you that no one can guarantee you in any way, that an opposition to that regime will be any better to the current one. And among a population of 70 million people/Muslims, there will be no definite 1 consensus regarding an alternative regime.

    We in Israel believe that the Israeli government will not dare to strike Iran without the consensus of the American president/government. And the Americans do not as of yet, approve of such an operation and are not intending to. Israel relies heavily on its main ally, what arsenal and weapons and army machinery is concerned.

    In theory such an attack would only be successful with a joint effort/operation of the Israelis and the Americans, plus a coordination/approval from the Turkish government, which is in fact a good friend of Israel, yet the current government is not really.

    Thus, a frustration amongst the Syrian regime will be immanent, because without a Turkish approval of such an operation against Iran, would mean that violation of Syrian airspace will certainly take place. Even though the tensions amongst Syria and Israel are at a steady high constant, the tensions with Syria are not of such grave concern to Israel in such an attack. Yet anti-aircraft fire could certainly take place already over Syrian soil, which is certainly of some hindering in such an operation.

    It is 100% sure that the world will not do anything serious against Iran. The motivation is lacking from every side and the business opportunities are too lucrative for anyone to miss out on them. Plus, the Americans are too overstretched and busy in places elsewhere (with their army) and have their own problems, and not just financially, as for them to start another war in any foreseeable future is simply not practical. So that is out of the question in any case and the Israelis know that.

    The Iraq war has shown all the leaders in the world, how opposed the people are to any war, as “just” as it may be. The populations in the world, are simply not interested to see their tax money and their soldiers being wasted and killed on some foreign far away conflict that does not concern them in any way, as so they reckon. Especially in times of economic uneasiness as such as we are experiencing at the moment.

    Iran will have a nuclear weapon, that is a done fact and no one can/will do anything about it. It is just a matter of time and we must get used to it. Yet, hopefully and even probably, this regime will eventually be puked out (one way or the other) by its own population (if not sooner than later). For it is a certainty that there is massive revulsion towards this fanatic regime, also in Iran itself.

    I personally don’t have a problem with this fanatic regime possessing such dangerous and radioactive weapons any longer. I, as many here in Israel, (Journalists and what may not) believe that “doctrine” or no “doctrine”, (that these mullahs have issued since 1979 against the Israeli state, it is a known fact that Muslim (in this case Persian) fanatics always take their mouth full. They will “eliminate shmeliminate… the Zionist entity”, as these warm blooded nut heads call it. They like to shout a lot and many many times nothing at all happens. Let them shout. There is a saying in Hebrew: “A dog that barks, doesn’t bite”. They love the attention and the fuss this it is making. But the reality looks like this:

    A reminder in history: For more than 40 years, the 2 giants of this world who were bitter enemies, have had missiles pointed at each others’ throats and no one dared to press the button. Why? Because the other one knew the moment he does press the button, he is doomed as well. So they fought in some indirect wars. It reminds a bit the current “Hizballah/Hamas against Israel” situation that Syria and Iran are supporting, financing and inflaming.

    3 more things:

    a) The anti missile system in connection with the sophisticated Israeli satellite network is so advanced, it is even said here, that the “Chetz” system, “Arrow” in Hebrew, is capable of pin pointing the excact location of where a launched enemy missile is coming from, even as it is just being warmed up. It then flies to collide and destroy such an approaching enemy missile over a foreign far away country. So it would mean in that regard, Syria. Because an enemy missile from Iran will have to travel over Syrian soil. I am not so certain that the Syrians are happy about an Iranian nuclear weapon, blowing up over their heads! I hope they have passed that concern to their “oh so” beloved neighbors.

    Plus the Israelis don’t need any corrections with such computer graphic programs as Photoshop, as were used by the Iranian army about a month ago, to try and cover up failed launching attempts, when testing their missiles. Israel doesn’t need to lie about it’s capabilities.

    b) The defense minister Barak has recently arrived from the US with many “goodies” in his pocket (so it was published in the press here). Israel will receive very soon, additional highly sophisticated American anti-rocket systems.

    c) I am 100% positive that the Iranian intelligence knows and their regime is aware of the fact, that in any case of any radioactive material which is found in the hands of the enemies of the Israeli/Jewish population, all the eyes will be pointed to Iran and that will mean the end of Ahmadinedschad and his clowns. Their “circus” will be closed, so to say.

    Not to mention a missile flying to the direction of the state of Israel. I assume, the moment such a dreadful unrealistic scenario occurs, even the Iranians truly know, that “all hell will break loose” and they will not even be able to comprehend where all the contra Israeli counterstrike has begun raining on them from allies far and near that have in and outside their waters the second strike probably pointed to their direction as I write these words.

    My suggestion to the friends of the Israeli state is: Don’t loose too many sleepless nights about that issue. One only lives once and it’s a shame to waste it on aggravation about such a small Adolf Ahmadinedschad, who wants to feel he is the tallest in dwarf land.

  3. I think that this article has some questionable thesis and it does not take the whole picture into account. Most experts think that it will take more than a decade that Iran will have the bomb. Then the results of CIA investigations are not mentioned that prove this point. And secondly: If you see the geostrategic surrounding Iran lives in – would it not be rational to have two or three mini-nukes as a means of self-defense? Til this day deterrence has worked. The verbal attacks against Israel have purely domestic reasons…

  4. It is very nice, that such a lively discussion is emerging. However I would like to contradict some of the aforementioned and explain my point of view:
    Admitted, the behaviour of the Iranian leaderships indicates a strong reluctance to cooperation. This could mean that it wants to secure its sovereignty through nuclear deterrence like Mr. Rhode mentioned above. Belonging to the ‘axis of evil’, the Regime is certainly aware of the different approaches of US foreign policy towards North Korea and the Hussein-Irak. Mr. Rhode also mentioned the domestic aspect. The current Ahmadinedschad-Regime derives its popularity and therefore legitimacy through its refusal to subordinate to the wishes of the so called international community. Ms. Bloch and Mr. Thelen both said that an attack on Iran will have unpredictable consequences. That is right. The only scenario in which a complete shut down of a possible Iranian nuclear programme is thinkable is an invasion, in which the USA would have to bear the major part. The political and economic costs and risks of such a scenario are so ridiculously high, that even the most narrow-minded Hardliner won’t dare it. Since the Iranian leadership is most likely aware of that, their behaviour could also be seen as a calculated confrontation in which they could strengthen their legitimacy, divert attention from their incapability to solve the severe economic crisis, and maximize the price for their cooperation. I don’t think that it is yet clear which one of those paths Iran will take.
    If the Iranian leadership really wants to get nuclear weapons as fast as possible, it is very likely that they will get them. Mr. Itzchak’s assumption, that a nuclear armed Iran will not be a lethal threat to Israel because of an emerging balance of terror is uncommon but quite correct. Maybe the Ahmadineschad Regime is fanatic but it is not irrational. Ms. Bloch spoke of the scenario of a nuclear arms race in the Middle East as a result of the Iranian bomb. This assessment is frequently spread but not realistic. Why should an Iranian bomb motivate the Arab states to build up nuclear forces, if even the nuclear weapons of the archenemy Israel did not had this effect? However, Iran should not get the bomb because nuclear proliferation always increases the potential risk of the use of those weapons.
    But considering all this, what could be an adequate approach towards the crisis?
    Ms. Bloch wants more consequence concerning the economic sanctions. Mr. Thelen prefers the strengthening of the Iranian political opposition and the civil society. Both approaches are not sufficient to make a difference. The sanctions regime is difficult to maintain and the economic decline does only hurt the population, but does not delegitimize the regime. Indeed, Iran has a rich tradition of civil society, but it is not strong enough to shape the political landscape, as it could be seen in the Chatami-Era, when such hopes were particularly strong in the west.
    I think the key to a solution is to accept the new political realities in the Middle East. Iran is now a regional power with a legitimate claim on political influence. Furthermore it is essential, that Iran will be disburdened of its strong security dilemma. This means long term security guarantees for Iran, regardless of its Regime. Direct bilateral and multilateral consultations between the West -especially the USA- and Iran, the removal of the sanctions (possibly except for direct military material) and the integration of the Iranian economy into the world market. Such steps will maybe not make Iran more democratic or concerned of human rights in the short term, but they will definitely make it more stable and reliable, and will prevent a new regional war with severe global implications.
    The Middle East needs more cooperation and less confrontation. And in the case of Iran cooperation does not necessarily mean appeasement.

  5. Hallo!

    Der Iran arbeitet an der Atombombe, das zeigt mir die Prophezeiung Daniel, die 2500 Jahre alt ist.
    Siehe Blog: http://christian090676.wordpress.com/

    Christian

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