Prima Klima?

30. Jan 2007 | von | Kategorie: Umwelt

Verschneite_Landschaft.jpgMan hörte es dieser Tage nahezu täglich. Auf der Straße, im Café oder im Telefonat mit den Lieben. Auch wenn der Winter mittlerweile zurückgekehrt ist: Viel zu warm ist der Januar. Und viel zu nass. Und dass er auch viel zu windig ist, bekam ganz Deutschland spätestens zu spüren, als der Orkan „Kyrill“ über Mitteleuropa hinwegbrauste. Von Nils Siebert

Kaum ein anderer Sturm in unseren Breiten hat ein derart mediales Interesse hervorgerufen, und kaum ein Boulevardblatt hat es sich im Vorfeld dieses Ereignisses nehmen lassen, den ungewöhnlich warmen Januar als Resultat des Klimawandels darzustellen.        

Doch ist all das, was wir zur Zeit erleben, tatsächlich eine Folge des Wandels unseres Klimas? Und wenn ja, müssen wir uns in naher Zukunft auf weitere „Extremereignisse“ und „Wetterkapriolen“ einstellen, wenn wir nicht endlich etwas gegen die zunehmende Erwärmung der Erde unternehmen? Für Deutschland wird immerhin eine Erhöhung der Durchschnittstemperatur um rund 1°C im Verlauf der letzten 100 Jahre veranschlagt.

Ortstermin in Leipzig

Leipzig, ein Sonntag im Januar 2007. Schauplatz: Der große Hörsaal der Fakultät für Physik und Geowissenschaften.

Es ist ein sonniger Tag, die Temperaturen sind mild. Und trotz Spaziergang-Wetter haben sich rund 100 Leute eingefunden, um sich im Rahmen der bemüht traditionsreichen Sonntagsvorlesungen der Fakultät den Vortrag von Prof. Dr. Werner Kirstein anzuhören. Kirstein forscht und unterrichtet am Institut für Geographie in Leipzig und beschäftigt sich seit mehreren Jahrzehnten mit dem Klima der Erde und seit den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts auch mit dessen Wandel.

Das Thema seines Vortrags: „Klimawandel – in welche Richtung? Eiszeit oder Warmzeit?“ Moment! Eiszeit? Ja ganz recht, Eiszeit. Dass eine neue Eiszeit Mitteleuropa heimsuchen wird, darüber sind sich nämlich die meisten Wissenschaftler auch bei allen Global-Warming-Diskussionen einig. Die Frage lautet nur: Wann wird sie kommen?

Kalt oder warm?

Man sagt, die letzte Eiszeit, die Weichsel-Eiszeit, klang vor etwa 11.000 Jahren aus. Seitdem erfolgte eine stetige, wenngleich immer wieder durch kühlere Perioden unterbrochene Erwärmung, die uns bis heute begleitet. Die Erdgeschichte zeigt dabei, dass dies durchaus nicht ungewöhnlich ist: Wechsel von Warm- und Kaltzeiten gab es die letzten Millionen Jahre immer wieder, meist in relativ regelmäßigen Abständen. Die Warmzeit vor der Weichseleiszeit, benannt nach dem niederländischen Flüsschen Eem, dauerte beispielsweise rund 11.000 Jahre.

Ist eine Panik angesichts solcher Aussichten nicht viel eher über die uns erwartende erneute Abkühlung angebracht?

Nun, mit Sicherheit nicht.

Nicht nur, dass hier von relativ langen Abkühlungsphasen ausgegangen werden muss, die Analysen der Klimaforscher zeugen ja bis heute von eben jener stetigen Erwärmung der Atmosphäre, deren Ende, so die Prognosen, nicht abzusehen ist.

Der Klimakiller geht um

Ein Grund dafür sei, so die Überzeugung einer Vielzahl von Wissenschaftlern, CO2. Welche Synonyme hat Kohlendioxid nicht schon über sich ergehen lassen müssen. „Klimakiller“ ist hierbei vielleicht noch der schlagkräftigste.

CO2 ist ein natürlicher Bestandteil der Luft. Es absorbiert einen Teil der Wärmestrahlung, während die kurzwelligere Sonnenstrahlung zur Erde gelangt und an deren Oberfläche für die heute vorherrschenden Temperaturen sorgt. CO2 wird aber auch überall dort freigesetzt, wo Erdöl, Erdgas oder Kohle verbrannt wird. Und davon verbrennt der Mensch spätestens seit der industriellen Revolution eine Menge. Der anhaltende Verbrauch eben jener fossilen Energieträger führt zu einem Anstieg der CO2-Konzentration in der Atmosphäre, was heute von den meisten Forschern als eine der Ursachen für den in den letzten Jahrzehnten beobachteten signifikanten Temperaturanstieg an der Erdoberfläche führt.

Wenn CO2 eine Ursache von mehreren ist, welche existieren dann noch? Ist denn überhaupt schon ein Ende der Warmzeit erreicht oder geht hier die Natur einfach nur ihren Weg?

Viele Fragen, viele Antworten

Fragen, die nur sehr schwer zu beantworten sind. Und wenn, dann gibt es gleich mehrere Antworten. Allein der tatsächliche Einfluss des CO2 auf den Wandel des Klimas ist nicht vollkommen gesichert. Die Belastbarkeit der Daten wird erschwert durch die hohe Komplexität der Zusammenhänge, die auf der Erde und in deren Atmosphäre existieren. Der Verdacht, dass der anthropogene, also durch den Menschen verursachte CO2-Anstieg für ein Global Warming verantwortlich ist, liegt jedoch nahe, er ist plausibel. Während tatsächliche Beweise nicht existieren, so gibt es jedoch Indizien.

Der Anstieg der CO2-Konzentration in der Erdatmosphäre von unter 300 auf rund 380 parts per million (ppm) in den letzten 150 Jahren ist einer davon. Der natürliche Einfluss auf das globale Klima, sei es beispielsweise durch leicht veränderte Erdbahnen oder die Aktivität der Sonne, spräche derzeit eher für eine Verringerung der Temperaturen und wäre ein weiteres Indiz.

Was also tun? Doch vehement versuchen, den CO2-Ausstoß zu verringern. Auch wenn es Stimmen gibt, die gegenrechnen, dass nur ein ausgedehnter Waldbrand oder ein Vulkanausbruch soviel Kohlendioxid in die Atmosphäre pustet, dass die jährliche Ersparnis komplett aufgezehrt wird? Auch wenn es Stimmen, wie auch die von Prof. Dr. Kirstein gibt, die das baldige Ende der fossilen Brennstoffvorräte prognostizieren und damit ein quasi-automatisches Abnehmen des CO2-Eintrags vorhersagen?

Vielleicht liegt gerade hier der Schlüssel für einen etwas anderen Blick auf Kyoto und Co.: Womöglich wäre es ja durchaus auch aus ökonomischer Sicht gar nicht so abwegig, sich mehr und mehr von Öl, Gas und Kohle zu trennen, um für etwas mehr Ausgeglichenheit bei den Energieträgern zu sorgen.

Der warme Januar erklärt sich indes übrigens recht einfach: feucht-warme Luft vom Atlantik strömte in großen Massen nach Mitteleuropa. Was fehlte war der kalt-polare Gegenstrom aus dem Norden. Untypisch womöglich, aber als singuläres Ereignis ist es nicht zwangsläufig Ursache eines Klimawandels, sagen die Fachleute von Deutschen Wetterdienst (DWD).

Und auch wenn nun in der Öffentlichkeit verlautbart wird, dass wir uns auf immer häufiger wiederkehrende „Wetterkapriolen“ wie „Kyrill“ einstellen müssen, die Statistik zeigt, dass die Zahl der Orkane im Jahr seit Mitte der 1990er Jahre stark abgenommen hat.


Die Bildrechte sind gemeinfrei.


Lesen Sie mehr bei /e-politik.de/:

Hollywood goes Öko

Chance Energiekrise?

Kyoto, Klima, Katastrophe?


Optionen: »Prima Klima?« bewertenArtikel drucken | Per Email versenden

Artikel in sozialen Netzwerken teilen:

Kommentar hinterlassen