Zwei kleine Perlen von Außenseitern (2)

Nicht nur Fussballfans ist der iranische Film Offside zu empfehlen, der Zuschauer erfährt auch viel über das Leben in dem umstrittenen Land. Im Wettbewerb der Berlinale glänzte der Film zusammen mit En Soap, die zu gleichen Teilen den Großen Preis der Jury zurecht gewannen. Teil 2. Von Konrad Kögler

Der Iran beherrscht zwar durch die Debatte um sein Atom-Programm die Schlagzeilen der Weltpresse. Die interessante Kunst dieses Landes wird jedoch im Westen außerhalb von Programmkinos, kleinen Theatergastspielen oder der verdienstvollen Arbeit einiger Buchverlage nicht wahrgenommen. Jafar Panahis fulminanter Film Offside bietet eine gute Gelegenheit, dies zu ändern.

Frauen, Fußball und Politik

Die Handlung klingt auf den ersten Blick recht banal: Eine Gruppe weiblicher Fußball-Fans möchte zum entscheidenden Qualifikationsspiel des Irans zur Fußball-WM gehen. Der Film zeichnet nach, welche Steine ihnen dabei in den Weg gelegt werden und wie ihr sehnlicher Wunsch schließlich an der Strenge des Mullah-Regimes scheitert.

Die Liebe fürs Detail, mit der Panahi diesen verglichen Kampf der iranischen Frauen für mehr gesellschaftliche Freiräume schildert, ist glänzend. Seine Lehrjahre als Dokumentarfilmer und Regieassistent von Abbas Kiarostami, dem hierzulande einzigen halbwegs bekannten iranischen Regisseur, kommen dem Film sehr zugute.

Besser als viele Leitartikel

Wer den Film Offside sieht, wird mehr über die Situation im Iran erfahren als in vielen Leitartikel, die momentan die Meinungsseiten füllen. Darüber hinaus wird das Publikum auch noch knapp 90 Minuten glänzend unterhalten. Die Komödie schildert sehr einfühlsam, welchen Schikanen die fußball- begeisterten jungen Frauen ausgesetzt sind: Als ihre Verkleidung auffliegt, werden sie zu einer Umzäunung am Rand des Stadions gebracht. Für sie ist es die größte Qual, dass sie die Emotionen der Männer im Stadion zwar hören können, aber vom authentischen Geschehen leider ausgeschlossen sind.

Ideale Einstimmung zur WM

Dieser Film sollte Pflichtprogramm für jeden politisch Interessierten sein, dem die Krise im Nahen Osten auf den Nägeln brennt. Und auch für Fußball-Fans kann es kaum eine bessere Einstimmung auf die anstehende Weltmeisterschaft geben, als diesen Film zu sehen, wenn er hoffentlich demnächst in die Kinos kommt. Die Freudenschreie der Zuschauer sind übrigens Aufnahmen vom entscheidenden WM-Qualifikationsspiel Iran gegen Bahrain im vergangenen Herbst, da der Film am Originalschauplatz in Teheran gedreht werden konnte.

 

Offside
Iran 2006
88 Minuten
Regie: Jafar Panahi
Darsteller: Sima Mobarak Shahi, Safar Samandar, Shayesteh Irani, u.a.
Produktion: Jafar Panahi

 


Weiterführende Links:

Internetseiten der Berlinale


Lesen Sie hier den Teil 1 zu En Soap.

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Die Bildrechte liegen bei der Berlinale.

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