„Zu intelligent fürs deutsche Fernsehen“

Portrait_Sonneborn_Rethmann.JPGMartin Sonneborn, nimmt mit seiner Serie Hinterbänkler heute auf SPIEGEL ONLINE Bundestagsabgeordnete auf die Schippe. /e-politik.de/ sprach mit dem ehemaligen Chefredakteur des Satire Magazins Titanic und Vorsitzenden der PARTEI. Ein Interview von Christian Heise

Nach dem Abschluss seines Studiums der Publizistik, Germanistik und Politikwissenschaft heuerte Sonneborn 1995 bei dem Satiremagazin Titanic an. Bekannt geworden ist er vor allem durch die „Bestechung“ eines neuseeländischen FIFA-Mitglieds kurz vor der Vergabe der Austragung der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 und durch die Gründung der Titanic nahen Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung & basisdemokratische Initiative (PARTEI). Seit November 2006 ist er einer von drei Redakteuren der neuen Satire-Rubrik SPAM auf SPIEGEL ONLINE, bei der er unter anderem Bundestagsabgeordnete aufs Glatteis führt.

/e-politik.de/: Herr Sonneborn, wie sind Sie auf die Idee für Hinterbänkler heute gekommen?

Martin Sonneborn: Wir haben von Titanic aus mal mit Harald Schmidt zusammen eine Sendung „Titanic TV“ produziert, die hinterher kein Intendant ausstrahlen wollte, weil sie angeblich „zu intelligent fürs deutsche Fernsehen“ sei. Für die habe ich damals mit einem Kamerateam Hinterbänkler besucht, und der Besuch bei Norbert Geis (CSU) geriet so eindrucksvoll, dass ich das immer mal wieder aufnehmen wollte. Jetzt hat sich bei SPAM auf SPIEGEL ONLINE die Gelegenheit ergeben.

/e-politik.de/: Haben Sie mal eine Anekdote erlebt? Was Politisches oder was mit Tieren?

Sonneborn: Moooment, diese Methode kommt mir bekannt vor. Sie lassen mich die Anekdote dann fünfmal erzählen, immer ein Stück kürzer. Und zum Schluss kommt dann unsagbarer Quatsch raus, über den man sich auf SPAM amüsieren kann.

/e-politik.de/: Gab es schon Ärger? Wie haben die MdB’s reagiert?

Sonneborn: Nein, keiner der Hinterbänkler hat sich bisher gerührt. Sie haben den Quatsch ja auch freiwillig und hoch engagiert mitgemacht, da kommen sie jetzt nur schwer wieder raus.

/e-politik.de/: Wie lange, glauben Sie, funktioniert das noch? Wann kommen die MdB’s dahinter?

Sonneborn: Wir haben fast alle Filme, die wir machen wollten, fertig gehabt, bevor wir damit online gingen. Aber wir sind noch an Claudia Roth dran…

/e-politik.de/: An was denken Sie, um nicht lachen zu müssen?

Sonneborn: An Fernseh-Comedy.

/e-politik.de/: Was ist Ihr Spezialgebiet? Worauf soll ich Sie noch ansprechen? Was trägt Ihre Handschrift gerade?

Sonneborn: Fragen Sie mich bitte, ob ich bereit bin, Verantwortung für unser Land zu übernehmen! Ich werde dann antworten: Ich bedanke mich für diese Frage, ich hätte das sonst selbst noch angesprochen. Ja, die PARTEI ist bereit, Verantwortung in Deutschland zu übernehmen. Wir wollen – ich sage das ganz offen – an die Macht.

/e-politik.de/: Ist das, was Sie bei SPAM machen, auch PARTEI-Arbeit?

Sonneborn: Ja, alles ist PARTEI-Arbeit. Wir übernehmen SPIEGEL ONLINE ja auch deshalb, um uns für die Hamburg-Wahl 2008 besser zu positionieren.

/e-politik.de/: SPAM ist jetzt etwas über einen Monat alt, sind Sie zufrieden?

Sonneborn: Ja, das kann man wohl sagen. Wir werden ausreichend mit Lob und Beschimpfungen versorgt.

/e-politik.de/: Ist die Arbeit besser als bei Titanic?

Sonneborn: Nein, ganz anders. Natürlich können wir schneller reagieren als im Printmedium, mehr Leute erreichen und mit anderen Formen arbeiten, wie z.B. den Hinterbänkler-Filmen. SPAM war auch das einzige Medium, das die James-Bond-Outtakes mit Moritz Reichelt gezeigt hat, dem Bond-Schauspieler, der nach zwei Drehtagen gefeuert wurde, weil er sich keinen Text merken konnte und immer die Kameraleute über den Haufen gerannt hat.

/e-politik.de/: Wo sehen Sie sich in 30 Jahren?

Sonneborn: An der Macht.

/e-politik.de/: Vielen Dank für das Gespräch.


Die Bildrechte liegen bei Tanja Rethmann.

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