Bye bye Berlusconi

berlusconi1.jpegJan Hendrik Stahlberg möchte vor den Wahlen in Italien mit Berlusconi abrechnen. Am 30.3.2006 läuft die Satire Bye bye Berlusconi in den deutschen Kinos an. Von Konrad Kögler

Der Wahlkampf zwischen Romano Prodi und Silvio Berlusconi schlägt nicht nur in den italienischen Medien hohe Wellen, sondern wird in seiner heißen Phase auch auf die deutschen Kinoleinwände exportiert. Jan Henrik Stahlberg kündigte eine hochpolitische Abrechnung mit dem italienischen Premier Silvio Berlusconi an, die den programmatischen Titel Bye bye Berlusconi  trägt  und bei der Berlinale ihre Weltpremiere hatte.

Lange Warteschlangen vor dem Zoo-Palast, Trillerpfeifen-Klänge, rhythmisches Trommeln und lautstarke Protestrufe von linken Demonstranten, die ganz in die italienischen Nationalfarben gekleidet waren,  brachten bei  bitterkalten Temperaturen einen Hauch von mediterranem Lebensgefühl in den Berliner Spätwinter.

Vorab war nur wenig  über den Inhalt an die Öffentlichkeit gedrungen, aber wer Stahlbergs bisherige Karriere verfolgt hatte, durfte auf eine intelligente, bissige Satire hoffen.

Vergangene Höhepunkte

2003 war Stahlbergs Auftritt als Hauptdarsteller und Co-Autor in Muxmäuschenstill einer der Überraschungshits: Seine ätzende Darstellung als selbsternannter Sittenwächter Mux machte ihn einem größeren Publikum bekannt. Mittlerweile wird der Filmstoff auch auf mehreren Bühnen, z.B. dem Berliner Maxim-Gorki-Theater, inszeniert.

Diesmal gerät ihm die Satire jedoch nur zur Farce: Statt funkelnder Pointen und mit dem Florett gesetzter Stiche gegen Berlusconi liefert Jan Henrik Stahlberg in  seinem Regiedebüt nur eine überdrehte Aneinanderreihung kurioser Filmszenen, die sich nicht so recht zu einem stimmigen Bild fügen wollen.

Rechtliche Grenzen der Abrechnung mit Berlusconi

berlusconi2.jpegIm Winter 2003 entwickelte Stahlberg zusammen mit seiner Frau Lucia Chiarla die Idee mit dem mächtigsten und reichsten Mann seiner Wahlheimat Italien, Silvio Berlusconi, abzurechnen: Mit einer giftigen Darstellung von Berlusconis Korruptionsskandalen und der zweifelhaften Pläne des Regierungschefs, das Wahlsystem und das Justizwesen nach seinen Wünschen umzugestalten, sollten die Wähler aufgerüttelt werden.

Sehr bald wurde jedoch klar, dass dieses Projekt an rechtliche Grenzen stößt. Jeder satirische Angriff auf Berlusconi würde von dessen Anwälten mit einer Flut von Klagen beantwortet werden. Deshalb halfen sich Stahlberg und Chiarla mit einem Kunstgriff: Anstatt eine Polit-Satire gegen Berlusconi zu drehen, beschreibt ihr Film die Schwierigkeiten eines Filmteams, das Berlusconi angreifen will. Dieses dramaturgische Grundgerüst eines Films im Film erfordert viel Gespür und Erfahrung, wenn es aufgehen soll. Leider versandet es bei Stahlberg jedoch in absurden Szenen und relativ flachen Gags.

Merkwürdige Filmhandlung

Die Handlung beschränkt sich darauf, eine dilettantisch agierende Film-Crew zu präsentieren: Ihr Plan, eine Entführung mit anschließendem Schauprozess gegen Berlusconi zu inszenieren, nimmt immer absurdere Wendungen. Um juristische Probleme zu vermeiden, wird aus Italien im Film schlicht Entenhausen. Aus Berlusconi wird der Bürgermeister Micky Laus.

Misslungene Farce

berlucsoni3.jpegBerlusconi-Gegner der italienischen Linken hatten zwar ihren Spaß an den wenigen gelungenen, skurrilen Szenen, in denen mit dem Premier abgerechnet wird. Ein deutsches und internationales Publikum erfährt aber wenig Neues über diesen problematischen Politiker und  geht mit ratlosen Blicken aus dem Kino heraus. Unmittelbar vor den italienischen Wahlen, die am 9. und 10.  April stattfinden, versucht dieser Film eine giftige Duftnote gegen den amtierenden Ministerpräsidenten zu setzen, was ihm aber weitgehend misslingt. Die vielen Italiener im Premierenpublikum beklatschen zwar dankbar einige Gags. Die übrigen Zuschauer sind jedoch eher irritiert über die merkwürdige Filmkonstruktion, der es nicht gelingt, einen wirklichen Sog zu entfalten. Deshalb ist es schwierig, dem Film allzu viel Positives abzugewinnen. Aber immerhin war das Timing des Starttermins sehr gelungen.


Bye bye Berlusconi
Regie: Jan Henrik Stahlberg
Buch: Lucia Chiarla/ Jan Henrik Stahlberg
Darsteller: Maurizio Antonini, Lucia Chiarla, Pietro Bontempo, Pietro Ragusa, Tullio Sorrentino u.a.
86 Min.
Produktion Schiwago Film GmbH
Verleih: Jetfilm GmbH

Die Seite zum Film: http://www.byebyeberlusconi.de/

Die Bildrechte liegen bei Jetfilm GmbH

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Bye bye Berlusconi

0025_0001_Popup1 gross.jpgDie Satire Bye bye Berlusconi von Jan Henrik Stahlberg ließ eine packende und stichhaltige Abrechnung mit dem italienischen Premier erwarten, bot aber nicht mehr als einige lustige Momentaufnahmen. Von Konrad Kögler

Lange Warteschlangen vor dem Zoo-Palast, Trillerpfeifen-Klänge, rhythmisches Trommeln und lautstarke Protestrufe von linken Demonstranten, die ganz in die italienischen Nationalfarben gekleidet waren, machten den Passanten klar: Hier musste es sich um einen der Berlinale-Höhepunkte handeln.

Jan Henrik Stahlberg hatte eine hochpolitische Abrechnung mit dem italienischen Premier Silvio Berlusconi angekündigt, die den programmatischen Titel Bye bye Berlusconi trägt und im Berlinale-Panorama ihre Premiere hatte. Vorab war nur wenig über den Inhalt an die Öffentlichkeit gedrungen, aber wer Stahlbergs bisherige Karriere verfolgt hatte, durfte auf eine intelligente, bissige Satire hoffen.

Vergangene Höhepunkte

2003 war sein Auftritt als Hauptdarsteller und Co-Autor in Muxmäuschenstill einer der Überraschungshits: Seine ätzende Darstellung als selbsternannter Sittenwächter Mux machte ihn einem größeren Publikum bekannt. Mittlerweile wird der Filmstoff auch auf mehreren Bühnen, z.B. dem Berliner Maxim-Gorki-Theater, inszeniert.

Diesmal gerät ihm die Satire jedoch nur zur Farce: Statt funkelnder Pointen und mit dem Florett gesetzter Stiche gegen Berlusconi liefert Jan Henrik Stahlberg in seinem Regiedebüt nur eine überdrehte Aneinanderreihung kurioser Filmszenen, die sich nicht so recht zu einem stimmigen Bild fügen wollen.

Rechtliche Grenzen der Abrechnung mit Berlusconi

0025_0002_Popup1 gross.jpgIm Winter 2003 entwickelte Stahlberg zusammen mit seiner Frau Lucia Chiarla die Idee, mit dem mächtigsten und reichsten Mann seiner Wahlheimat Italien, Silvio Berlusconi, abzurechnen: Mit einer giftigen Darstellung von Berlusconis Korruptionsskandalen und der zweifelhaften Pläne des Regierungschefs, das Wahlsystem und das Justizwesen nach seinen Wünschen umzugestalten, sollten die Wähler aufgerüttelt werden.

Sehr bald wurde jedoch klar, dass dieses Projekt an rechtliche Grenzen stößt. Jeder satirische Angriff auf Berlusconi würde von dessen Anwälten mit einer Flut von Klagen beantwortet werden. Deshalb halfen sich Stahlberg und Chiarla mit einem Kunstgriff: Anstatt die Polit-Satire gegen Berlusconi zu drehen, beschreibt ihr Film die Schwierigkeiten eines Filmteams, das Berlusconi angreifen will. Dieses dramaturgische Grundgerüst eines Films im Film erfordert viel Gespür und Erfahrung, wenn es aufgehen soll. Leider versandet es bei Stahlberg jedoch in absurden Szenen und relativ flachen Gags.

Merkwürdige Filmhandlung

Die Handlung beschränkt sich darauf, eine dilettantisch agierende Film-Crew zu präsentieren: Ihr Plan, eine Entführung mit anschließendem Schauprozess gegen Berlusconi zu inszenieren, nimmt immer absurdere Wendungen. Um juristische Probleme zu vermeiden, wird aus Italien im Film schlicht Entenhausen. Aus Berlusconi wird der Bürgermeister Micky Laus.

Misslungene Farce

Berlusconi-Gegner der italienischen Linken werden zwar ihren Spaß an den wenigen gelungenen, skurrilen Szenen haben, in denen mit dem Premier abgerechnet wird. Ein deutsches und internationales Publikum erfährt aber wenig Neues über diesen umstrittenen Politiker und geht mit ratlosen Blicken aus dem Kino heraus.
Wenige Wochen vor den italienischen Wahlen, die im April stattfinden sollen, versucht dieser Film eine giftige Duftnote gegen den amtierenden Ministerpräsidenten zu setzen, was ihm aber weitgehend misslingt.

Die vielen Italiener im Publikum beklatschen zwar dankbar einige Gags. Der Rest des Publikums ist jedoch eher irritiert über die merkwürdige Filmkonstruktion, der es nicht gelingt, einen wirklichen Sog zu entfalten. Deshalb ist es schwierig, dem Film allzu viel Positives abzugewinnen.


Bye bye Berlusconi
Regie: Jan Henrik Stahlberg
Drehbuch: Lucia Chiarla/ Jan Henrik Stahlberg
Mit: Maurizio Antonini, Lucia Chiarla, Pietro Bontempo, Pietro Ragusa, Tullio Sorrentino u.a.
86 Min.
Produktion Schiwago Film GmbH


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