„Die großen Killer dieser Welt“

11. Mai 2004 | von epo_admin | Kategorie: Gesundheits- und Sozialpolitik

Mit der Ausrottung von Pocken und Cholera galten die großen Volksseuchen in den Industrienationen als besiegt. Nunmehr, so scheint es, werden SARS, Vogelgrippe und Bioterror zur globalen Bedrohung. Stehen wir vor einem neuen Zeitalter der Infektionskrankheiten? Von Fabian Engelmann.

Die mit der Ausbreitung von Infektionskrankheiten verbundenen Horror- und Katastrophenszenarien werden uns beinahe tagtäglich vor Augen geführt. Dazu gehören nicht nur die möglichen bioterroristischen Angriffe, sondern auch weltweit grassierende Krankheiten. Wie gefährlich sind SARS und Vogelgrippe wirklich? Welche Bedeutung werden diese und andere Infektionskrankheiten für unsere Gesundheit haben? Antworten auf diese und andere Fragen wurden auf dem neunten Symposium „Internationale Gesundheit“ im Auswärtigen Amt diskutiert. Dabei stellte sich heraus, dass es nicht nur die spektakulären und „medienwirksamen“ Infektionskrankheiten sind, die uns bedrohen. Aktuell bleiben auch Krankheiten, wie Malaria und Grippe, insbesondere die amerikanische Grippe (auch Schweinegrippe).

SARS – Die globale Bedrohung

Wie gefährlich SARS wirklich ist, zeigte Rene Gottschalk, Infektionsabteilung, Stadtgesundheitsamt Frankfurt am Main, auf. Innerhalb von zwei Tagen breitete sich die Krankheit auf mehreren Kontinenten aus. Von China über Hong Kong wurde das Virus bis nach Vietnam, Kanada und Irland übertragen. Reagieren könne man auf eine solche Entwicklung mit einer modernen Seuchenhygiene, die nur durch eine internationale Zusammenarbeit umsetzbar ist, so Gottschalk. Dazu gehöre etwa eine enge Zusammenarbeit mit den Fluggesellschaften, um gefährdete Passagiere und mögliche Kontaktpersonen schnellstmöglich zu identifizieren.

Doch auch auf nationaler Ebene bestehe noch erheblicher Handlungsbedarf. So sind die gesetzlichen Voraussetzungen, SARS einwandfrei zu melden und entsprechende Maßnahmen einzuleiten, nicht gegeben, da der Erreger erst seit kurzem bekannt und seine Meldepflicht derzeit nicht gesetzlich verankert ist. SARS, so Gottschalks Fazit, ist eine hochkontagiöse Erkrankung, die zu einer unberechenbaren Bedrohung werden kann. Eine weltweite Seuchenpolitik, die wirksame und oftmals einfache Präventionsmaßnahmen beinhalte, könne eine Ausbreitung der Erkrankung allerdings einschränken.

Nach wie vor aktuell – Reiseprophylaxe bei Malaria

Eine andere, aber nicht minder gefährliche Erkrankung ist Malaria, die derzeit in 101 Ländern der Welt auftritt. Jährlich erkranken zirka 30.000 Menschen aus Industrienationen an Malaria. Zu dieser Einschätzung kam Patricia Schlagenhauf, Division of Epidemiology and Communicable Diseases, University of Zürich. Insbesondere in Afrika (Ghana, Kenia, Nigeria) und Asien (Indonesien, Pakistan, Indien) trete Malaria derzeit auf.

Die regional höchst unterschiedliche Ausprägung von Malaria erfordere für die Reisenden eine stets individuelle Reiseprophylaxe. Diese müsse sich unter anderem nach dem Reisegebiet, der Dauer der Reise und den potentiellen Nebenwirkungen richten, die mit der Einnahme eines entsprechenden Medikamentes verbunden sind. Die Schwierigkeit für Reisende, aber vor allem für Mediziner, bestehe darin, sich auf diese komplexe Situation einzustellen. Angesichts des zunehmenden globalen Reiseverkehrs, betroffen sind vor allem Individualreisende, müsse die Gefahr einer Malariaerkrankung bei jeder Reise in Risikogebiete berücksichtigt werden.

Grippe – Die unterschätzte Gefahr

Die Grippe (Influenza) ist keine harmlose Infektionskrankheit. Das zeigen große Pandemien, von denen die sogenannte „Spanische Grippe“ von 1918 (20 bis 40 Millionen Todesopfer) wohl diejenige ist, die weit über Expertenkreise hinaus traurige Berühmtheit erlangt hat. Auch heute sind solche Ausmaße denkbar, so Hans-Dieter Klenk, Professor am Institut für Virologie der Universität Marburg.

Besonderes dramatisch sei, dass sich die Virenstämme ständig veränderten. Entsprechende Impfstoffe könnten demnach nur dann einer Erkrankung vorbeugen, wenn sie für bzw. gegen einen bekannten Virenstamm entwickelt werden. Eine neue und in den letzten Jahren bekannt gewordene Gefahr geht von Grippe-Viren aus, die von Vögeln übertragen werden. Die sogenannte Geflügelpest hat hier bereits mehrere Todesopfer gefordert. Dies nicht etwa nur in Südostasien, sondern auch in den benachbarten Niederlanden, in denen über 80 Menschen an der Geflügelpest erkrankten.

Was ist zu tun?

Infektionskrankheiten bleiben aktuell. Im Zeitalter des globalen Reiseverkehrs kann ein (!) SARS Fall in China innerhalb von wenigen Tagen zu einer Ausbreitung auf mehreren Kontinenten führen. Die Gefahr einer Grippeerkrankung wird weitgehend verdrängt. Alljährlich, im späten Winter, schlagen Boulevardzeitungen Alarm und entwerfen Szenarien, die jeder seriösen Einschätzung entbehren. Malaria ist und bleibt eine Gefahr für jeden Reisenden, der sich in Risikogebiete begibt. Alle drei Erkrankungen können die Gesundheit von vielen Menschen maßgeblich beeinträchtigen. SARS und Grippe verbreiten sich in Windeseile und können zum globalen Problem werden.

Die Beiträge haben aber auch gezeigt, dass es geeignete Präventionsmaßnahmen gibt, um diese Erkrankungen zu kontrollieren. Dennoch: Ein neues Zeitalter der Infektionskrankheiten hat begonnen. Diesem globalen Problem kann nur eine globale Präventionsstrategie entgegenwirken. Nur die WHO kann, ausgestattet mit entsprechenden Kompetenzen und Befugnissen, diese Strategie entwickeln und implementieren. Es bleibt zu hoffen, dass es entsprechende Initiativen geben wird, die ansetzen, bevor die Lage sich erheblich verschlimmert.


Weiterführende Links:

Robert Koch-Institut: www.rki.de

Gesundheitsdienst des Auswärtigen Amtes: www.auswaertigesamt.de/www/de/laenderinfos/gesundheitsdienst/index_html

Weltgesundheitsorganisation: www.who.int/en/

Centers for Disease Control an Prevention: www.cdc.gov/


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