Alles auf Zucker!

13_Dani_Levy_Portrait2.JPGAlles auf Zucker! heißt die neue Komödie von Dani Levy. In München hat /e-politik.de/ ein Gespräch mit dem Schweizer geführt. Von Daniela Recht


Dem leidenschaftlichen Spieler
Jakob Zuckermann (Henry Hübchen) steht das Wasser bis zum Hals: Der Gerichtsvollzieher
droht mit Knast, seine Frau Marlene (Hannelore Elsner) mit Scheidung. So kommt
ihm das mit 100.000 Euro dotierte European Pool Turnier wie gerufen. Doch kurz
vor Turnierbeginn stirbt seine Mutter. Ein Erbe gibt es zwar laut Notar, doch
um es zu bekommen, muss er sich mit seinem verfeindeten Bruder Samuel (Udo
Samel) versöhnen und mit ihm sowie seiner Sippe sieben Tage strengste
Totenwache halten. So will es das jüdische Gesetz. Dabei hasst Jakob alles,
was mit dem Jüdischsein zu tun hat.


/e-politik.de/: Herr Levy, der jüdische Humor ist ein zentrales
Thema in Alles auf Zucker!. Können Sie ihn ein wenig charakterisieren?


Dani Levy: Der
jüdische Humor ist immer eine Art psychologischer Humor, der sich ganz
stark selber auf die Schippe nehmen kann. Man hat einen schönen, gesunden
Zugang zu seinen Macken. Und diese Macken auch zu veröffentlichen, in
Form von Witzen und lustigen Geschichten, das macht einen auch zugänglich
für die anderen. Das ist, glaube ich, auch das Attraktive an dem Humor.
Der jüdische Humor zeichnet sich durch die Menschlichkeit aus, und es
ist selten ein Humor, der aus dem Nichts entsteht. Sondern meistens ist die
Basis eine Form von Notsituation, die oft auch eine sehr starke gesellschaftliche
Notsituation sein kann. Damit meine ich zum Beispiel jüdische Witze über
den Nationalsozialismus.


/e-politik.de/: Wie entstand die Idee zu dem Film?


Dani Levy: Während wir den Film Meschugge drehten – auch
ein Film über den Holocaust –, habe ich gemerkt, dass ein jüdisches
Thema nicht zwangsläufig immer eine Tragödie sein muss, sondern dass
man eine ganze Menge Zugang zum Judentum und auch Lust auf eine neue Kultur
dadurch verbaut, wenn der Film zu schwer wird. Alles auf Zucker! war
somit mein konfuser Wunsch, meine allgemeine Sehnsucht, einen heiteren Film über
eine jüdische Familie zu drehen. Und der eben die sehr oft bissige und
selbstironische Art, die ich selbst von meiner Familie kenne, herausbringt.


/e-politik.de/: Stichwort Familie: Ihre eigene Familie musste
während des Nationalsozialismus fliehen. Erzählen Sie doch ein
bisschen.



Dani Levy: Meine Großeltern sind damals von Polen
nach Deutschland eingewandert. Sie haben in Deutschland ein ganz gutes Leben
geführt. Es war auf jeden Fall eine Verbesserung demgegenüber, was
ihnen in Osteuropa widerfahren ist. Meine Mutter ist 1928 in Berlin geboren
und dort aufgewachsen. In dieser Zeit gab es ja noch eine enge Verbindung zwischen
Juden und Deutschen, vor allem in kultureller Hinsicht.


In den 30er Jahren wurde dann klar, dass das Leben dort immer schwieriger
wurde. Den meisten Juden zwischen 1933 und 1938 war aber nicht klar, dass der
Antisemitismus noch solche Ausmaße annehmen würde. Man kennt das
von jüngster Zeit hier in Deutschland: Die NPD hat so einen Vormarsch
bzw. die Rechten nehmen in ganz Europa zu. Vielleicht war die Stimmung in den
30er Jahren so ähnlich wie heute. Bei Nacht und Nebel ist meine Familie
aus Deutschland in die Schweiz geflohen, so richtig geschwommen über den
Fluss.


/e-politik.de/: Wie ist Ihre Familie und auch Sie mit der Vergangenheit
umgegangen?


Dani Levy: Darüber haben wir kaum gesprochen. Ich habe
mich aber auch nicht wirklich dafür interessiert. Erst als ich 1980 nach
Berlin gegangen bin, habe ich angefangen, mich mit meiner Familiengeschichte
auseinander zu setzen. Das ist alles ein bestimmter Art von Fundus, was dazugeführt
hat, so einen Film wie Alles auf Zucker! zu realisieren. Es geht mir
eben nicht am Arsch vorbei, wie es ist als Jude in Deutschland zu leben.


/e-politik.de/: Wie, glauben Sie, ist das deutsch-jüdische Verhältnis
heute?


Dani Levy: Das jüdisch-deutsche Verhältnis ist
dummerweise angespannt, verständlicherweise. Es ist ein sehr delikates
Thema, bei dem man nur ständig ins Fettnäpfchen tritt. Es gibt überhaupt
kein Alltagserlebnis der Deutschen mit Juden. Die meisten kennen keine Juden.
Das nährt diese Berührungsängste und Vorurteile gegenüber
Juden, die man gar nicht richtig einschätzen kann. Das betrifft übrigens
nicht nur Juden, sondern andere Minderheiten, Schwule und Araber.


/e-politik.de/: Jakob Zuckermann, die Hauptfigur in Ihrem Film, ist
als Kind in Ostdeutschland geblieben, während sein Bruder Samuel mit
der Mutter nach Frankfurt gegangen ist. Warum war es Ihnen wichtig, das Ost-West-Thema
in die Geschichte mit einfließen zu lassen?


Dani Levy: Es war von Anfang an klar, dass durch die Familie
ein Riss geht: Zwei Brüder, die sich seit Ihrer Jugend nicht mehr gesehen
und gesprochen haben, weil sie sich in ihren Vorurteilen verloren haben. Ursprünglich
sollte Jakob Zuckermanns Bruder in den USA leben, in Los Angeles in einer jüdischen
Gemeinde Dann haben wir aber festgestellt, warum so weit in die Ferne schweifen?
Die deutsch-deutsche Geschichte ist doch ein hervorragender Schauplatz für
einen kulturellen Clash. Es ist nach wie vor ein wirklich gutes Thema, was
auf eine sehr humoristische Art und Weise gezeigt werden kann.


Alles auf Zucker!


Start: 06.01.05


Buch und Regie: Dani Levy


Produzentin: Manuela Stehr


Darsteller: Henry Hübchen, Hannelore Elsner, Udo
Samel, 
Golda Tencer






Weiterführende Links:


Die Website zum Film: www.zucker-derfilm.de






Die Bildrechte liegen beim Verleih.

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