Verfall der USA

 

johnson2.jpgIn seinem neuen Buch kritisiert der amerikanische Politologe Chalmers Johnson fundiert auf fast 500 Seiten den neuen, alten Militarismus des Imperiums USA. Zu fundiert. Ein knackiger Essay von 160 Seiten wäre mehr gewesen. Von Michael Kolkmann

Amerikakritische Bücher haben in diesen Tagen und Wochen Konjunktur. Besonders gut scheinen sich Bücher amerikanischer Autoren zu verkaufen. Vielleicht deshalb, weil sie gleich viel authentischer wirken als Bücher wie die des französischen Politologen Emmanuel Todd („Nachruf auf eine Weltmacht“) oder des Deutschen Peter Bender („Amerika: Das neue Rom“).

 

Trotzdem wollte der Blessing-Verlag wohl auf Nummer sicher gehen und verkauft Chalmers Johnsons „Sorrows of an Empire“ hierzulande unter dem  Titel „Selbstmord der amerikanischen Demokratie“. Das ist ärgerlich (und bezeichnend), weil der Titel damit vollkommen verzerrt wird. Unabhängig von diesem Einwand hat Chalmers Johnson, der lange Zeit an der University of California in Berkeley gelehrt hat, ein lesenswertes Buch geschrieben, auch oder gerade weil er sich sicher ist, dass „dieses Buch… keineswegs optimistisch“ ist.

 

Weitreichendes Imperium

 

„Der Selbstmord der amerikanischen Demokratie“ ist die Fortsetzung von Johnsons Buch „Ein Imperium verfällt“ aus dem Jahre 2000. In diesem Buch hatte Johnson die These vertreten, dass die US-Regierung immer noch mehr oder weniger so funktioniert wie zu Zeiten des Kalten Krieges, wobei er insbesondere auf das Konfliktpotenzial in Ostasien abhob. Womit er sich im ersten Buch (noch) nicht beschäftigte, so schreibt Johnson heute, „war das Ausmaß des Militarismus in Amerika oder das weit reichende Imperium von Militärbasen, das mehr oder weniger unbemerkt entstanden ist und heute eine geopolitische Realität darstellt“.

 

Dieser amerikanische Militarismus ist das Thema von Johnsons Buch, „seine physische Präsenz in der Welt, der Aufstieg der so genannten ‘Special Forces’ zur Privatarmee des Präsidenten, und die Heimlichtuerei, die es immer stärker militarisierten und verdeckt operierenden Institutionen ermöglicht, zu wachsen und zu gedeihen“. Das abschreckende historische Beispiel, das Johnson für die USA vor Augen hat, ist der Niedergang der Sowjetunion in den achtziger Jahren.  

 

Rundumschlag gegen Washington

 

Dezidiert setzt sich Johnson mit den vorherrschenden Denkmustern der Politiker, Experten  und Journalisten in Washington auseinander. An der gegenwärtigen Regierung kritisiert er mit harschen Worten deren Einstellung gegenüber dem Internationalen Strafgerichtshof, die Widerrufung des Kyoto-Protokolls und den Krieg im Irak. Dabei wettert Johnson gleichermaßen gegen „neokonservative Triumphalisten“ und „humanitäre Imperialisten“, lässt eine eigene Meinung aber häufig vermissen.

 

Nichts mehr wie es war

 

Johnson argumentiert, dass nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 alles ganz anders ist, und doch erinnert die „neue“ amerikanische Politik an über hundert Jahre des amerikanischen Imperiums: Die Terroranschläge „haben, wie wir Amerikaner gerne sagen, die Welt verändert. Zutreffender wäre wohl die Formulierung, dass die Anschläge einen gefährlichen Wandel im Denken einiger amerikanischer Führer ausgelöst haben, die seitdem dazu neigen, unsere Republik  als ein echtes Imperium zu betrachten, als ein neues Rom, als das mächtigste Reich in der Menschheitsgeschichte, das sich nicht länger an das internationale Recht, die Interessen von Alliierten oder sonstige Beschränkungen hinsichtlich des Einsatzes von Waffen gebunden fühlt“.

 

Viele ermüdende Beispiele für seine These

 

Die These vom amerikanischen Militarismus dekliniert Johnson an verschiedenen Erdteilen durch: Südamerika (Guatemala, Chile, Panama), Afrika (Somalia) und Asien (Korea, Vietnam), um nur einige Beispiele zu nennen. Langwierig lesen sich etwa die Ausführungen Johnsons, wenn er die Kriege untersucht, an denen die USA beteiligt waren. Da werden Opferzahlen hochgerechnet, in Verbindung gesetzt, wieder relativiert, von militärischer Partizipationsrate ist da die Rede, von unterschiedlicher Kampfintensität – hier kommt der unverbesserliche Akademiker in Johnson durch, der jede These von mindestens drei Seiten beleuchten und belegen will.

 

Weniger wäre mehr gewesen

 

Kurzum: in einem knackigen Essay von etwa 160 Seiten hätte Johnson seine Argumentation darlegen können, ohne an inhaltlicher Präzision einzubüßen und ohne bei jeder Gelegenheit auszuschweifen. So aber ist ein Buch von fast 500 Seiten entstanden, und man muss schon ein großes geschichtliches Interesse aufbringen, um dem Autor zu den Vorbildern der Römischen Republik, in die Niederungen des Spanisch-Amerikanischen Krieges und zu diversen amerikanischen Militärbasen im Ausland zu folgen.

 

Zudem haben sich für jemanden, der nach eigener Aussage mehrere Jahre an diesem Buch recherchiert hat, einige peinliche Fehler eingeschlichen, so etwa, wenn der Name des amerikanischen Parlamentspräsidenten falsch geschrieben wird oder eine bekannte Universität in Boston falsch bezeichnet wird.

 

Chalmers Johnson:

„Der Selbstmord der amerikanischen Demokratie“,

Karl Blessing Verlag, München 2003,

482 Seiten, 23 Euro,

ISBN: 3-89667-226-6.

 

Weiterführende Links:

Die Homepage des Verlages

 

Ein Kommentar auf “Verfall der USA

  1. Anscheinend hat sich unter amerikanischen, speziell linken Intellektuellen herumgesprochen, daß US-born Antiamerikanismus, sprich euro-mundgerechte politische Idiotie sells-good.

    Dass da evtl. ausländische Rivalen und echte Feinde am „Selbstmord“ der USA etwas mitzuregeln haben, kann ihnen, als anerkannte euro-Kulturbanausen, schon garnicht in den Sinn kommen, – das Image des Cowboys möchte man gerne loswerden.

    Akademische Vielseitigkeit, die der Rezensent dem Autor Chalmers Johnson vorwirft währe doch anstatt moralüberlegener Sozial-Meinungsträgerschaft, wie sie von Deutschropäern an M.Moore oder N.Chomsky so obzessiv genossen wird, garnicht so schlecht, entfiele ihm nur nicht wie auch den Rechts&Links-Deutschen eine ganz entscheidende Seite , neben der aufsteigenden Weltmacht Islamisierung : Die der KGB-Macht, wie sie einmal wesenliche außenpolitische Macht der Sowjetunion war. Diese, samt ihrer nachhaltigen Auswirkungen auch auf das westliche Massenbewußtsein, wird nämlich gehörig unterschätzt, – wie es der Co-Autor und Historiker des Buches SCHWARZBUCH des KGB verdeutlichte — um mindestens das Maß, wie es die Bedeutung des CIA für die USamerikanische Außenpolitik überschätzt. Woran vor allem die Masse der sozialbewegten „selbst-kritischen“ Westautoren und Ideologen schuld ist.
    – Die Feinde der Demokratie haben immer wieder Grund sich bei den Flachwurzeldemokraten zu bedanken und die Konversion zum Islam ist doch eine reale Alternative, so wie sie den schrecklichen Kampf der „Kulturen“ friedhofsfriedlich vermeiden hilfe, „in Unterwerfung zu Allah“.

    Vielleicht hilft uns ja die US-islamistische Propaganda, wie sie Pres. OBAMA als Judenknecht darstellt, und uns — soweit dies nicht wieder alles lange zugedeckt wird — den wahren, republikfeindlichen Charakter der auch nicht „deutsch“ ( oder doch ?) zu befriedigenden Re-Islamisierer zeigt, – in den USA schon in Plakatform, echt ehrlich !

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    EIN DEUTSCHER DIPLOMAT ALTER SCHULE- aber ohne Holocaust-Schuld – lässt sich hier welt- und macht-perspektivisch über die herrliche Obama-Zeit aus :

    – Aber warum den immer und immer noch in die gleiche Kerbe des angeblichen „Desasters“ der Bush-Jahre hauen ? Warum auch nach Ende der schrecklichen Bush-Herrschaft des amerikanischen Fundamentrasslistenregimes auch im Radio immer wieder die Betonung, sich auch in Talibanien sich nicht in die gewachsene Kultur wie nicht in eine ökologische Natur einzumischen ? Warum nach einem etwas heftigen Zuschlagen durch einen deutschen Oberst auf einen geklauten Tanker die Igitt-Amerikanisierung der Tat ?

    Abgesehen vom Finanz- und Kreditdesaster, das wesentlich schon unter Carter und Clinton begonnen wurde und ideologisch von vielen Staaten begleitet, verharmlost und genutzt wurde, war die Zeit der G.W.Bush-Regierung vor allem eine Zeit der desaströsen Uneinigkeit bis Spaltung des Westens, den die USA und Britannien damit provoziert haben,
    – daß sie sich nicht Deutschland, Frankreich und Russland wunschgemäß wie auf dem Balkan verhalten haben
    – daß sie nicht Solana, EU & Co gemäß Islamisten, wie schon Pakistan und zuvor Irak zu immer stärkeren oder sogar atomaren Bewaffnung kommen ließen, – so wie jetzt wiedereinmal Deutschland für Iran der wichtigste „zivil“strategische Handelspartner ist und Russland der offen, aber hier (warum wohl ?!) nicht kritisierte militärische;
    – daß sie nicht das dabei laufende Erdölgeschäft der seit ca. 1998 Irak-Embargo korruptiven Aufweichung mitmachten
    – die dabei im Hintergrund laufenden 100 Mrd-Verhandlungen zw. Saddam und France gestört haben, die Umstellung des irakischen Außenhandels auf EURO und sicher auch deutsche Erdöl/Gas-Pläne, wie sich nach „Gründung“ der „Achse des Friedens“ schnell an Schröders Kurs erkennen ließ, der jetzt offen auf Seiten der Erpresser steht und kürzlich als Gazprom-Mann die EUropäer mit ihrer Ausweich-Pipeline brüsk an das noch despotische-kriegerischere faschistische Regime des Iran verwies !
    . . . .
    Und was den meisten Normalos wie unseren Herrn Dr. s mit der üblichen „kritischen“ deutsch-ideologischen Sichtweise wohl garnicht bewußt ist ( oder vielleicht hier absichtlich nicht gesagt wird), daß
    mit dem Stoß in den Rücken der USA nach scheinheiligem Mitspiel in Afghanistan, — wie er noch unter Obama in den Radiosendern wie WDR und DLF vor allem als Moralüberlegenheits-Kulturkampf gegen den angloamerikanischen Westen geführt wird / und letztlich kommt es bei jeden Krieg sehr auf die psychologische Wirkung an —
    das große russisch-amerikanische Pipelineprojekt scheint seit nicht allzulanger Zeit nach dem 11.9.2001 oder seit der Vorbereitung des Irak-Krieges — je nach Spezialwissen und Voreingenommenheit — absolut vom Tisch zu sein.

    Erinnert man sich dann noch an die vor-9-11 BBC-deutsche TV–Dokumentation und viel Ähnliches über den gelungenen ( meist nur nahenden) A-Bomabenbau S. Husseins — an den Film sich „natürlich“ hier niemand mehr erinnert — und an noch so einige seltsame BND-Verhaltensweisen, die darauf deuten können, daß Deutschland die USA in eine Falle gelockt haben, wie es im Stllen erst den Zerfall YUs, dann durch die Anerkennung KROATIENs als Staat maßgeblich den jugoslawischen Bürgerkrieg angefeuert hat und an führender Stelle daran arbeitete, die USA auf Seiten der sog. Kosovaren gegen Restjugoslawiens in Stellung zu bringen, – dabei aber die ganze Zeit den seit 1991 steigenden militärischen Einfluss der iranischen und BinLaden’schen Djihadisten dort verschwiegen . . . dann
    erinnert mich das nicht nur an die Geheimdiplomatie und an Anstacheling und Zusammenarbeit mit dem islamischen Djihad während und vor dem 1. und 2. Weltkrieg gegen den Westen, oder an den deutschen Export der Lenin-Revolutionswaffe durch die OHL Richtung Russland. – Nein, dann ergäbe sich auch für unsere
    ebenfalls weltweit meist antiamerikanisch und antizionjüdisch gestimmte Volkaufklärungsfront der Weltverschwörungsgläubigen ein ganz anderes Szenario : Warum sollte nicht der deutsche, französische und russische Geheimdienst statt die CIA aus den hier schon angedeuteten weltmacht-öl/gas-rivalisierenden Gründen ihre traditionell guten Kontakte und Angesehenheit ( wg. Aufrüstung des Kalifats, Judenmord, Abfall von ISRAEL, Antiamerikanismus und antizionistischer Propaganda, Raketenhilfe und Verschaffen der Ausbildung, Materialien und Blaupasen der Ultarzentrifugen und anderer Atom(bomben)materialien ) und eine amerikanischer Gutmütigkeit und „Freiheits“-Bündnis-Naivität dazu ausnutzen, um den lauten und – für uns meist verdeckt – systematisch so aufgebauten Feinden des „großen Statans“ einen entsprechenden, strategischen Wink zu geben: Für ein weiteres Dreiecksgeschäft im „Großes Spiel“, in dem sich insbesondere Deutschland mit und ohne Hitler, wie die islamischen Antisemiten und zT. die KGBistische Propaganda wenn nicht als Opfer auftritt, dann auf samtenen Pfoten des „Kultur“- und Friedenshüters gegen die amerikanischen Kulturbanausen und zionistischen „Kriegstreiber“.
    – Dies, eine ganze andere Reihe von Tatsachenverheimlichungen über Geheimdienst- und Propagandamanöver oder massenmediales in Vergessenheit bringen, insbesondere auch zur Geschichte und 1.WKs- und NS-gemeinsamen Vorgehensweise und Ideologie mit dem militanten bzw. kalifaten Islam, der sich unter dem Einfluss des judentödlichen Weltverschwörungsdenkens, nach 1950 noch betreut von der ODE-SS-A und dann des KGB, seit 1919 bzw. 28 zu einem edukativ und propagandistisch „wahren“ Nazi-Islam ausgewachsen hat, was als ideologisch-psychologische Wurzel des Terrorkrieges gegen ISRAEL und den Westen, seit 1980 v.a. gegen die USA geworden ist.

    All dies nicht berücksichtigend und so zu tun, als hätten France, Russland und vor allem in Absparche auch D-land nicht auch die Möglichkeit zu aggressiven Vorstößen, die evtl. mit geschickten Taktiken einen dritten Rivalen oder eine vierte aggressiv aufsteigende Kraft beeinflussend motovieren könnte, – da bringt der alte Diplomat Dr. H. Arnold, der noch die alte deutsch-imperialistische Ideologie und Strategie mit der Muttermilch aufgesogen haben könnte, ganz friedenspolitisch einen zu
    >>
    ergreifenden neuen Politikansatz : Mit einer Konferenz der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europe (OSZE), wie sie der französische Staatspräsident Sarkozy bereits ins Spiel gebracht hat. Dies in Anknüpfung an deren Charta von Paris, die 1990 große Hoffnungen auf eine „Sicherheitszone von Vancouver bis Wladiwostok“ geweckt hatte. Warum, so fragt man sich, könnte das nicht eine gemeinsame deutschfranzösische Initiative sein? ( Dr. Hans Arnold, geb. 1923, Botschafter a. D.) <> Und nach jahrelanger öffentlicher und oft platter Diskussion über Terrorismus und Islamismus bilden schließlich auch die Amerikaner arabischer Herkunft und/oder islamischen Glaubens eine Minderheit besonderer Art. << Klar ist, was er den Deutschen mit "platt" sagen will, nachdem was Bush alles richtig sagte PLATTgemacht wurde, zB. auch daß es das Böse in der Politik gibt und beämpft werden muß auch wenn es nicht jeden´m Bündnispartner passt; aber, daß wie er zuvort schreibt, "nicht-weiß = arm" bedeutet, das gilt gerade für die USAmerikanischen Moslems noch nicht, da, bisher frei oder entflohen den reaktionären islamischen Traditionen und überdurchschnittlich wohlhabend, die islamfaschistischen Organisationen erst die letzten Jahre der Verwirrung, zusammen mit den weißen Antizionisten wie Walt, Todt und Carter, dahin genutzt haben, den Campus unter dem Totschlagwort des (Anti-)Rassismus zu beherrschen — also auch den Raum, wo auch die Diplomaten ausgebildet werden — und mit dem typischen Feind-Schwerpunkt ISRAEL und staatliche Förderungen anzuzapfen ( s. Daniel Pipes.org)
    Für einen deutschen Diplomaten aber, egal ob west oder ost, der 1943 immerhin 20 war, sind das neben all seinen großen Worten nur Details, worüber er an bestimmten Tagen aber sicher auch einen Aufsatz in petto hätte, wie etwa ". . . in Verantwortung vor der Geschichte und des Andenkens der Opfer der Gewaltherrschaft …" und vielleicht noch , daß sich derartiges nie mehr wiederholen dürfe, – obwohl die Wiederholung auch ohne Nazismus(-Sprache) schon in diesem Text zugegen ist.

    KEINE Freiheitsrechte und kein ISRAEL für Öl und Gas ! Gegen Multi-/Kultur-Schutz für Schariaten und Kulturrelativisten !

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