Klare Worte

altn Nobpreis.jpg"Verrückt, böse und gefährlich“ –  David Lange, ehemaliger Premierminister Neuseelands und diesjähriger Ehrenpreisträger des Alternativen Nobelpreises, hält mit seiner Meinung in Washington nicht hinterm Berg. Auch sonst ist Lange ein freund klarer Worte. Ein Portät. Von Daniela Recht

Dass sich seine Langes Zuneigung gegenüber der amerikanischen Regierung in Grenzen hält, ist nicht neu: Bereits 1984 büßte er jegliche Symphatien seitens der Amerikaner ein, als er als Premierminister sein Land zur atomwaffenfreie Zone erklärte. Für die Amerikaner bedeutete dies, dass sie mit ihren Kriegsschiffe  nicht mehr in neuseeländischen Häfen anlegen durften. Entsprechend verschumpft reagierten sie: Sämtliche Verteidigungsübungen wurden gestoppt und Neuseeland vom "Verbündeten“ zum schlichten "Freund“ degradiert.

Und wie sieht der alternative Nobelpreisträger die derzeitige Situation im Irak? Er beschreibt dieses Land als ein fortwährendes Desaster und beklagt die Ineffizienz der multilateralen Institutionen. So antwortet er auf die Frage, was für ihn persönlich der alternative Preis in einer Welt, in der es sehr wohl Atomwaffen gibt, bedeutet: "Der Preis macht deutlich, dass wir immer noch wirkliche Maßnahmen der Waffenkontrollen benötigen. Die Waffen werden noch immer als Reserve gelagert und die Menschen, die diese kontrollieren, sind seit dem Ende des kalten Kriegs immer noch nicht schlauer.“ Nichtsdestotrotz hält er an eine Welt fest, in der es keine Atomwaffen mehr geben wird. "Ich denke besonders in diesem Teil der Erde, dass Atomwaffen nicht länger ein Problem sind, dass Atomwaffen demontiert und zerstört sein werden, und dass das Schlimmste des kalten Kriegs hinter uns liegt.“

Der Anfang seines Engagements für eine atomwaffenfreie Welt liegt schon weiter zurück: Als Anwalt verteidigte er bereits 1975 Friedensaktivisten vor Gericht, die gegen das Anlegen von mit Atomwaffen geladenen Kriegsschiffen in Auckland, protestiert hatten. Beim Obersten Gericht von Neuseeland war David Lange, nachdem er 1966 seinen Bachelor of Laws erlangte, als Anwalt tätig. Seinen Magister in Rechtswissenschaft – mit höchster Auszeichnung bestanden – hatte er ebenso in der Tasche. In die Politik stieg er 1977 ein und wurde zwei Jahre später als stellvertretender Parteiführer der Labour-Partei gewählt. 1984 übernahm er nicht nur das Amt des Premierministers, sondern war zugleich auch für das Außenministerium verantwortlich. Auf der 40. Sitzung der Generalversammlung der Vereinten Nationen, im Jahr 1985, gehörten Rajiv Gandhi und er zu den einzigen Sprechern, die nicht ständige Mitglieder des Sicherheitsrates waren. 1989 legte er sein Amt als Premierminister nieder. In seinem Buch "Nuclear Free: The New Zealand Way“, 1990 veröffentlicht, beschreibt der in Otahuhu, in Auckland, geborene seine Erfahrungen mit der Politik.

Neben David Lange erhielten dieses Jahr auch die philippinischen Wissenschaftler Walden Bello und Nicanaor Perlas, die Organisation "Koalition der Bürger für wirtschaftliche Gerechtigkeit“ sowie der Ägypter Ibrahim Abuleisch, der die Biofirma "SEKEM“ gegründet hat,den Rightlivelihood Award – auch Alternativer Nobelpreis genannt – vom schwedischen Palament verliehen. Im Gegensatz zu diesen drei Trägern des mit insgesamt  220 000 Euro dotiert Preises hat David Lange keine finanzielle Stützung bekommen und darf sich deshalb Ehrenpreisträger nennen. Der Stifter des Alternativen Nobelpreises ist Jakob von Uexküll – ein deutsch-schwedischer Millionär. Jedes Jahr werden Projekte und Persönlichkeiten ausgezeichnet, die sich mit besonders brisanten, gesellschaftlichen Fragen auseinandersetzen und sich bemühen, beispielgebende Antworten darauf zu finden.

 

Weiterführende Links:

Alternativer Nobelpreis

 

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