Gesunder Geist, gesunde Schule?

clip_image001.JPGSpätestens seit PISA ist deutlich geworden: Die Kompetenzen der deutschen Schüler liegen weit unter den Durchschnittsleistungen ihrer Altersgenossen anderer europäischer Länder. Mit dem Ansatz der gesundheitsfördernden Schule kann bestehenden Defiziten entgegengewirkt werden. Von Fabian Engelmann

 

Die Ergebnisse der Pisa Studie haben gezeigt, dass die Leistungsunterschiede zwischen den besten und den schwächsten Schülern hierzulande weitaus größer sind als in anderen Ländern. Spitzenleistungen fallen im Vergleich ebenfalls ab. Aus sozialkompensatorischer Sicht ergibt sich die erschreckende Diagnose der unzureichenden Förderung von Schülern aus bildungsfernen Milieus. Diese Kinder haben nicht nur schlechtere Bildungs- sondern auch – wie Ergebnisse der Gesundheitswissenschaften zeigen – deutlich geringere Gesundheitschancen. Das von einem ganzheitlichen und positiven Gesundheitsverständnis ausgehende Konzept der Gesundheitsfördernden Schule kann helfen, diese Hindernisse zu überwinden.

 

Ganzheitliche Gesundheitsförderung etablieren

 

Das Konzept der Gesundheitsfördernden Schule orientiert sich an den Leitlinien der 1986 von der Weltgesundheitsorganisation initiierten Ottawa-Charta: Gesundheitsförderung soll allen Menschen mehr Selbstbestimmung über ihre Gesundheit ermöglichen. Um ein umfassendes körperliches, seelisches und soziales Wohlbefinden zu erlangen, ist es notwendig, dass sowohl das Individuum aber auch Gruppen ihre Bedürfnisse befriedigen, ihre Umwelt bewusst wahrnehmen und an ihrer Gestaltung mitwirken. Gesundheit wird hier als etwas Positives und aktiv Gestaltbares aufgefasst. Nicht die klassische Prävention, also die Verhütung von Krankheit steht im Vordergrund, sondern die Stärkung und Förderung von Gesundheitspotentialen. Hierzu müssen allerdings Kompetenzen vermittelt werden, die in die klassische Gesundheitserziehung nicht einbezogenen werden. Neue Vermittlungskonzepte wie die gesundheitsfördernde Schule helfen den Gedanken der ganzheitlichen Gesundheitsförderung zu verbreiten und verknüpfen ihn mit den Problemen vor Ort.

 

Gesundheitsfördernde Schule als Musterbeispiel

 

Die Besonderheit des Schulentwicklungskonzepts der gesundheitsfördernde Schule besteht darin, dass es nicht nur auf die Verbesserung der Gesundheit der Schüler und der damit auch zusammenhängenden Leistungsfähigkeit abzielt, sondern auch Lehrer und Eltern in die Gesundheitsförderung einbezieht. Mit diesem Rahmenkonzept sollen unterschiedliche Ebenen der Institution Schule umgestaltet werden: Qualifizierung des lehrenden und nichtlehrenden Personals, Gestaltung des Unterrichts nach ganzheitlichen Maßstäben, Veränderung der Schulorganisation und alternative Gestaltung des Schullebens.

 

Daneben wird auch eine entsprechende Gestaltung des kommunalen Umfeldes angestrebt. Gesundheitsfördernde Schule verknüpft also etliche Reformbestrebungen im Bereich Schule. Maßnahmen zur Umsetzung der Ziele gibt es viele. Ernährungs- und Bewegungsangebote oder gezielte Suchtprophylaxe sind nur einige Beispiele, die in den Lernprozess gezielt eingebunden werden. Programmziel ist schließlich die Einbeziehung des Leitbilds Gesundheit bei allen Aktivitäten.

 

Das Konzept der Gesundheitsfördernden Schule wurde und  wird bereits in einigen Pilotprojekten erprobt. Beispielhaft steht hierfür das im Jahr 2000 abgeschlossene Pilotprojekt OPUS (Offenes Partizipationsnetz und Schulgesundheit). Ziel des in fast allen Bundesländern laufenden Projektes war es, unterstützt durch Koordinationsteams auf Landes- und Regierungsbezirksebene, Vernetzung und Erfahrungsaustausch zwischen den Schulen über die Schulentwicklung im Sinne der Gesundheitsförderung zu etablieren. Auf europäischer Ebene agiert das von der Weltgesundheitsorganisation ins Leben gerufene European Network of Health Promoting Schools ( ENHPS ). In der Bundesrepublik wurde zudem ein eigenes "Netzwerk gesundheitsfördernder Schulen" als weiterer Modellversuch von der Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung ins Leben gerufen. Dieser Modellversuch, an dem sich 29 Schulen bundesweit beteiligten, wurde von 15 Bundesländern mitgetragen.

 

Bei aller Euphorie und berechtigter Hoffnung sollten die Schwierigkeiten der Umsetzung gesundheitsfördernder Schulprojekte nicht übersehen werden. Leitbilder ändern sich nicht von heute auf morgen. Nur wenn alle Beteiligten ein solches Leitbild akzeptieren und annehmen verspricht ein so weitreichender Ansatz Aussicht auf Erfolg. Angesichts der erschreckenden Ergebnisse der PISA-Studie sollten sich die verantwortlichen Akteure der Bildungspolitik neuen Formen der Schulentwicklung nicht verschließen und entsprechende Projekte fördern. Die Gesundheitsfördernde Schule als integratives Entwicklungskonzept kann dabei ein unterstützender Schritt in die richtige Richtung sein.

 

Bild: Copyright liegt bei der Weltgesundheitsorganisation.

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