Buhlman: „Studiengebühren für ein Erststudium nutzen uns nicht“

Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn im Interview mit e-politik.de zu Ganztagsschule, dem Wissenschaftsstandort Deutschland und zur Zukunft der universitären Ausbildung.

/e-politik.de/: Die Bundesregierung hat im letzten Jahr die Ganztagsschule nach PISA und vor dem Wahlkampf zu einem zentralen Thema gemacht. Vier Milliarden Euro wird der Bund während der nächsten vier Jahre dafür zur Verfügung stellen.

Welchen Einfluss hat der Bund als Geldgeber auf Lerninhalte und Strukturen der Ganztagsschulen, immerhin ist Bildung Ländersache? Bayern und Baden-Württemberg hatten vor Monaten das Modell Ganztagsschule abgelehnt. Haben die Länder denn die Möglichkeit, sich dieser Schulform zu verweigern? Letztlich stellt sich damit – wieder einmal – die Frage der Steuerungsfähigkeit bundesdeutscher Bildungspolitik, könnte ein Zentralabitur eine Lösung sein oder einheitliche Leistungsstandards, wie sie die Kultusministerkonferenz in der letzten Zeit forderte?

Bild Bulmahn.jpgBulmahn: Erfreulicherweise haben alle Länder das Angebot der Bundesregierung zum Aus- und Aufbau von Ganztagsschulen angenommen. Schon in diesem Jahr werden die ersten neuen Schulen entstehen oder ausgebaut. Dabei wachen die Länder über das pädagogische Konzept der Ganztagsschulen.

Das Aufbauprogramm ist ein erster wichtiger Schritt auf dem Weg zur notwendigen Bildungsreform in Deutschland. Die Festsetzung von Bildungsstandards, die aufzeigen, welche Kompetenzen die Schülerinnen und Schüler in bestimmten Schulklassen erreichen müssen, ist der notwendige nächste Schritt. Wir brauchen zudem eine nationale Bildungsberichterstattung, die uns verlässlich sagt, wo die Schulen mit ihren Leistungen stehen.

/e-politik.de/: Welche Erwartungen richten Sie an die nächste PISA-Studie? Werden die getroffenen Maßnahmen sich dort bereits widerspiegeln? Wann findet die nächste Studie statt?

Bulmahn: Wir müssen die Bildungsreform in Deutschland angehen: Ausbau von Ganztagsschulen, Verbesserung der Lehrerausbildung, Einführung bundesweiter Bildungsstandards, eine regelmäßige Prüfung von Schulleistungen und eine größere Selbständigkeit von Schulen. Wenn wir die Reformen zügig umsetzten, können wir in fünf bis zehn Jahren mit an der Spitze sein. Im Rahmen einer "zweiten" PISA-Erhebung wurden Schülerinnen und Schüler dieses Jahr in dem Schwerpunkt Mathematik getestet. Die Ergebnisse werden Ende nächsten Jahres veröffentlicht.

/e-politik.de/: Deutschland galt einmal als Standort von Wissenschaft und Forschung. Zumindest in der universitären Lehre ist die Situation leider eine gänzlich andere: überfüllte Hörsäle und Seminare, veraltete Bibliotheken, gestresste Dozenten. Gleichzeitig wird die europaweit vergleichsweise geringe Akademikerquote beklagt.

Die Bundesregierung hat in der vergangenen Legislatur erste Reformen durchgeführt: Bafög, Juniorprofessur oder internationale Abschlüsse wie Bachelor und Master.

Welche Maßnahmen sind weiterhin geplant, um die Bundesrepublik wieder zu einem beispielhaften Wissenschaftsstandort in Forschung und Lehre zu machen? Wird die Freiheit von Studiengebühren zu halten sein?

Bulmahn: Deutschland ist nach wie vor ein international wichtiger Standort für Wissenschaft und Forschung, der weltweit attraktiv für den wissenschaftlichen Nachwuchs ist. Als Zielland liegen wir im internationalen Vergleich auf der dritten Position.

Mit der Juniorprofessur und dem neuen Dienstrecht haben wir die Grundlage für eine zukunftsgerichtete Universitätslandschaft bereitet. Die Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen werden wir weiter vorantreiben. Mit einem Ranking der Hochschulen werden wir unsere Position für den internationalen Wettbewerb um die klügsten Köpfe weiter verbessern.

Die ausreichende finanzielle Ausstattung unserer Universitäten ist eine wichtige Bedingung hierfür. Studiengebühren für das Erststudium würden unseren öffentlichen Hochschulen dabei allerdings nichts nutzen. Denn das so eingenommene Geld flösse nicht an sie, sondern in die jeweiligen Landesetats.

/e-politik.de/: Wie steht die Bundesregierung zu privaten Universitäten (Bremen oder Berlin), die für hohe Studiengebühren exzellente Lehre offerieren?

Bulmahn: Private Hochschulen können eine Ergänzung unseres Studienangebotes sein. Doch hat sich gezeigt, dass die Erwartungen, die in so manche private Hochschulen gesetzt werden, sich nicht erfüllen. Um die Lehre in Deutschland schnell und wirkungsvoll zu verbessern, müssen die Hochschulen noch weiter reformiert werden. Wir brauchen eine bessere Betreuung der Studierenden und international vergleichbare Abschlüsse.

Frau Ministerin, wir danken für das Gespräch.

Die Fragen stellte Bert Große.

Bild: Copyright liegt beim Bundesministerium für Bildung und Forschung

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