Terrorismus – eine Definition

Terrorismus – ein dehnbarer Begriff? Eigentlich ist er das genau nicht. Von Antje Helmerich

Längst ist „Terrorismus“ ein Modewort geworden, zugleich aber auch ein Kampfbegriff. Weltweit bezeichnen sich Gegner – ob katholische und protestantische Nordiren, Tschetschenen und Russen, Palästinenser und Israelis – gegenseitig als „Terroristen“. Zur Selbstbezeichnung, zur Darlegung eigener Ziele und Motive taugt er indes kaum, der Begriff. Wie viel leichter spricht es sich da vom Freiheitskampf oder vom Widerstand! Was also ist Terrorismus?

Definitionen

Terrorismus ist immer politisch motivierte und systematisch geplante Gewalt. Terrorismus geht von substaatlichen Gruppen aus und richtet sich gegen einen bestehenden politischen und gesellschaftlichen Zustand. Terrorismus ist ausgerichtet auf Veränderung.

Dies unterscheidet „Terrorismus“ von „Terror“. Terror ist von oben gesteuerte systematische Gewaltanwendung durch staatliche oder staatsnahe Organe, die eine bestimmte Ordnung erhalten soll. Den angeblichen „neuen internationalen Terror“, wie in der Öffentlichkeit zuweilen zu hören, gibt es demnach gar nicht. Das ist sprachlich per wissenschaftlicher Definition falsch.

Terroristische Gruppierungen sind meist klein und vergleichsweise schwach, gemessen am Potenzial des „feindlichen“ Staates. So bleibt ihnen nur der Krieg aus dem Untergrund, aus dem Hinterhalt.

Spiel mit den Emotionen

Terrorismus bedient sich der Emotionen, die durch Gewalt geweckt werden. Dazu brauchen Terroristen vor allem Aufmerksamkeit. Terroristen geht es gar nicht in erster Linie um die materielle Zerstörung, die sie anrichten – diese ist Mittel zum Zweck. Es geht vielmehr darum, Angst, Schrecken und Verunsicherung in die Gesellschaft zu tragen. Peter Waldmann, Soziologe und Terrorismus-Experte an der Universität Augsburg spricht in diesem Zusammenhang von Terrorismus als „Kommunikationsstrategie“. Auch Opfer haben meist nur eine „mitteilende Funktion“ und werden ausgewählt wegen ihres Symbolwertes, weil sie leicht als Vertreter eines Staates, einer Regierung, einer Volksgruppe, einer Konfession identifiziert werden können. Im Falle der Terroranschläge vom 11. September eben als Vertreter der so genannten „westlichen Zivilisation“.

Von Zielgruppen und Sympathisanten

Neben den Opfern gibt es immer eine Gruppe, ein Volk, eine Religionsgemeinschaft, bei der durch terroristische Anschläge um Unterstützung, um Sympathien geworben wird. Sie ist die Zielgruppe, deren Interessen die terroristische Gruppe zu vertreten vorgibt. So geht die baskische ETA immer „für das unterdrückte baskische Volk“ gegen den spanischen Staat vor. Doch nicht immer sind die Zielgruppen derart deutlich auszumachen. So bleibt vieles ungewiss: Wessen Interessen vertrat die RAF – außer den eigenen – , für wen sprechen die FARC in Kolumbien, die gewaltbereiten Islamisten im Nahen und Mittleren Osten, die maoistische Guerilla in Nepal?

Provokation der Macht

Terroristen provozieren den mächtigen Staat und hoffen auf seine Reaktion, seine Überreaktion. So wollen die Terroristen den Staat, vor allem den demokratischen Rechtsstaat als maßlos, ungerecht, brutal, undemokratisch und letztlich ablehnenswert entlarven und Widerstand entfachen. Dann ist außerdem die Fortführung der Gewalt als „legitime Verteidigung“ zu rechtfertigen und die Spirale aus Aktion und Reaktion, aus Aggression und Repression nimmt ihren Lauf.

Dehnbar ist er also eigentlich nicht, der Begriff des Terrorismus. Und doch wird er widersprüchlich gedeutet, missinterpretiert, unachtsam verwendet, politisch instrumentalisiert. Daran wird sich – so ist zu vermuten, auch in Zukunft wenig ändern.


Die verwendeten Bilder sind gemeinfrei.


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