Interview mit Adrien Brody

In Roman Polanskis bewegendem Holocaust-Drama Der Pianist verkörpert Adrien Brody den polnischen Pianisten und Überlebenden des Warschauer Ghettos Wladyslaw Szpilman. Sead Husic führte in Berlin ein Gespräch mit dem Schauspieler.

e-politik.de: „Adrien Brody, haben Sie geahnt, dass Der Pianist ein solch eindringlicher Film werden würde?“

Adrien Brody: „Es war klar, dass es so ein Film werden könnte, also habe ich versucht, dass Beste zu geben. Es steckte aber viel harte Arbeit dahinter.“

e-politik.de: „Wie haben Sie sich auf den Film vorbereitet?“

Brody: „Ich habe einige Geschichtsbücher über den Holocaust gelesen und natürlich die Biographie von Wladyslaw Szpilman. Das war das Beste zur Vorbereitung. Für die Rolle lernte ich täglich vier Stunden Klavier und hörte auf, Hiphop zu hören, dagegen vertiefte ich mich in klassische Musik, die Szpilman sicherlich viel geholfen hat. Und ich nahm 20 Pfund Gewicht ab. Dafür hungerte ich.“

e-politik.de: „War das nötig?“

Brody:“Nun, ich kannte ja keinen Hunger, also habe ich abgenommen, um auch diese Leere, die Szpilman fühlte, spielen zu können. Wenn Sie eine physische Veränderung erleben, dann findet auch eine psychische Transformation statt und das wollte ich erreichen. Ich gab sogar meine Wohnung auf und brach den Kontakt zu vielen Freunden ab, um das Gefühl für die Isolation zu bekommen. Das war nicht einfach.“

e-politik.de: „Das kennt man von vielen guten Schauspielern, aber war es das auch wert?“

Brody: „Es war schwierig. In der Tat habe ich in der Zeit viele Freunde verloren. Aber dennoch bin ich für die Erfahrungen dankbar, denn ich weiß mein Leben viel besser zu schätzen. Viele Menschen verfügen nicht mal über das Grundlegendste in ihrem Leben, wie Essen und Kleidung. Viele Tausende auf der ganzen Welt. Und auch in Amerika.“

e-politik.de: „Brauchten Sie viel Unterstützung beim Dreh?“

Brody: „Zunächst muss ich Roman (Polanksi) danken, der mich aufgrund seiner persönlichen Erfahrungen im Warschauer Ghetto durch den Film geleitet hat und mir vieles erklären konnte. Er hat mich durch diese Welt geführt und mir diese Welt nahegebracht. Er hat ja auch diesen bestimmten Ton geschaffen, der im ganzen Film präsent ist.“

e-politik.de: „Haben Sie jüdische Vorfahren?“

Brody: „Ja, mein Vater ist Jude und wir hatten auch Opfer in unserer Familie, die durch die Nazis ums Leben kamen. Diese Geschichte ist ein Teil meines Lebens und durch diesen Film bekam ich ein besseres Verständnis für das Leiden der Juden.“

e-politik.de: „Was wollten Sie mit dem Film erreichen?“

Brody: „Ich hoffte, dass Leiden und Leben des Wladyslaw Szpilman zu universalisieren, für alle Menschen, die Leid ertragen müssen auf der ganzen Welt.“

e-politik.de: „Noch ein Wort zu Roman Polanski, wie schwierig ist es mit einem solchen Giganten zu arbeiten?“

Brody: „Roman hat immer recht, das vorweg. Aber zum Streit kam es deshalb nicht. Er ist ja wirklich ein großartiger Regisseur und überzeugt ja auch als Schauspieler, der von Film und dem Erzählen einer Geschichte so viel mehr versteht, als viele andere der Branche. Also, da habe ich von ihm geklaut, so viel ich nur konnte. Aber bitte, sagen sie ihm das nicht.“

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