Happiness Is a Warm Gun

Zehn Jahre ist es her, dass Petra Kelly von ihrem Lebenspartner Gerd Bastian erschossen wurde. Thomas Imbach bringt einen experimentellen Film über dieses Thema in die Kinos. Maria Pinzger hat ihn gesehen.

Happiness Is a Warm Gun – von diesem bekannten Beatles-Song lieh sich Regisseur Thomas Imbach den Titel dieses außergewöhnlichen Films. Außergewöhnlich, da er eben gerade nicht einmal mehr die Geschichte der Vorzeige-Grünen, der Pazifistin, die sich in einen Ex-General verliebt erzählt, sondern einen neuen Blickwinkel auf den Tod Petra Kellys wirft: Der Lauf einer Pistole und der Schuss bilden die Anfangszenen. Der Moment, als die Kugel aus Kellys Kopf wieder austritt, markiert das Ende des Lebens und des Kinofilms.

Reise zwischen Tod und Leben

Was passiert in der Zeit, die die Kugel im Kopf verbringt? Petra Kelly erwacht in einem Flughafengebäude, Symbol für eine Transitwelt auf der Reise vom Leben in den Tod. In schnell geschnittenen Szenen, rascher Bildabfolge und Momentaufnahmen versucht Petra Kelly einen Sinn für diesen Schuss zu finden. Sie engagiert sich für Flüchtlinge, die im gleichen Flughafengelände auf die Abschiebung warten. Sie hält Reden, die sie in ihrem Leben gehalten hatte, mit dem gleichen Engagement noch einmal.
Als Gerd Bastian auftaucht, versuchen die beiden gemeinsam zu verstehen, was mit ihnen geschehen ist, was sie so weit gebracht hat. Und sie sind beide auf der Suche nach einer gemeinsamen Zukunft. Heirat vor dem Flughafenpriester? Ein Streit entspannt sich zwischen den beiden – Petra beteuert, dass es immer ein Traum von ihr gewesen sei, „klassisch“ zu heiraten und diesen Traum wolle sie sich nun erfüllen. Gerd Bastian reagiert darauf erbost – schließlich solle sie ihn heiraten, weil sie ihn liebe, nicht wegen der Erfüllung einer ihrer Träume.
Rastlos, in vielen einzelnen, unzusammenhängenden Sequenzen suchen die beiden nach dem Glück der warmen Pistole. Dem Glück, das dem Schuss folgen kann. Folgen wird?

Mehr Experimental- als Spielfilm

Happiness is a Warm Gun ist kein weiterer Dokumentarfilm. Er ist pure Fiktion, die Gedanken und Vorstellungen, die sich Regisseur und Drehbuchautor Thomas Imbach zum Thema Kelly-Bastian gemacht hat. Eine durchgehende Geschichte wird nicht erzählt und somit präsentiert Imbach wohl eher einen Experimental- als einen Spielfilm. Der klare Fokus des Filmes liegt bei den beiden Figuren. Er mischt sie in ihrer surrealen Welt mit realen Personen, montiert Originalaufnahmen der beiden mit gespielten Sequenzen. Gerade in diesen Szenen wird die Klasse der beiden Hauptdarsteller, Linda Olsansky (Petra Kelly) und Herbert Fritsch (Gerd Bastian) sichtbar. Sie kommen nahe an ihre realen Vorbilder heran, nicht nur aufgrund äußerer Ähnlichkeiten, sondern auch im Ausdruck, der Gestik, dem Gesamteindruck. Unverbrauchte Kinogesichter für einen unkonventionellen, außergewöhnlichen Film. Der Einsatz hat sich gelohnt.

Film für Hingucker

Happiness is a Warm Gun ist kein für jedermann zugänglicher Film. Er fordert viel vom Zuschauer – das Verfolgen der teilweise anstrengend schnell geschnittenen Szenen und der vielen Episoden. Ohne Phantasie und eigene Visionen über die Abläufe zwischen Leben und Tod, der Zeit, die die Kugel in Kellys Kopf bleibt, verlässt man den Kinosaal wohl eher erschlagen als bereichert. Der Zuschauer muss sich auf eine Bilderflut voller Assoziationen einlassen und darf keine Geschichte erwarten – dann hat Happiness is a Warm Gun als innovativer Film reussiert.
Happiness is a warm gun läuft in folgenden Kinos:
Cetral, Berlin: 3.-16.02
Moviemento, Belrin: 3.-30.10.02
Checkpoint-Kino, Berlin: 17.-30.10.02
Brozfabrik, Bonn: 3.-9.10.02
Mal Seh`n, Frankfurt: 3.-16.10.02 Filmhaus Köln: 10.-23.10. 02
Schaubühne Leipzig: 24.-29.10.02
Endstation Kino, Bochum: 24.-29.10.02
Filmhaus Nürnberg: 7.-13.11.02
Werkstatt-Kino, München: 14.-27.11.02

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.