Der Pianist

Roman Polanski verfilmte das Leben des polnisch-jüdischen Pianisten Wladyslaw Szpilman, der den Holocaust durch ein Wunder überlebt hat. Von Sead Husic.

Mitten in den Häuserruinen der polnischen Hauptstadt Warschau, im Winter des Jahres 1945, geschieht ein Wunder. Ein ausgemergelter, erschöpfter Mann mit langem Bart und schmutzigem, vor Hunger eingefallenem, fahlen Gesicht, steht verängstigt und müde von der Flucht vor den deutschen Besatzern, plötzlich einem Alptraum gegenüber: Ein geschniegelter, glatt rasierter Offizier der Deutschen Wehrmacht hat ihn im Zimmer eines der wenig heilgebliebenen Häuser entdeckt.
Der Soldat aber zieht nicht die Pistole und erschießt den Flüchtling, sondern fragt den in zerschlissenen Kleidern vor ihm Stehenden, wer er ist. „Pianist“, sagt der Flüchtling.
Dann fordert der Deutsche den Unbekannten auf, an dem Klavier zu spielen, das im Nebenraum steht. Und der Mann beginnt zu spielen. Erst zaghaft, unsicher aber dann spielt er sich in einen Rausch und über der Trümmerlandschaft schweben Konzertklänge.

Ein beinahe unglaubliches Schicksal

Der Klavierspieler heißt Wladyslaw Szpilman, ist Pole und Jude und deshalb zum Tode verurteilt durch das Naziregime, das während seiner Schreckensherrschaft über das Land die Judenvernichtung, wie in allen von ihnen kontrollierten Gebieten, kalt und grausam betrieb. Im Film Der Pianist wird die Geschichte des Holocaustüberlebenden Szpilman erzählt, der die gesamte Kriegszeit über in Warschau – immer versteckt vor den Nazis – lebt und aus dem Warschauer Judenghetto, das die deutsche Besatzungsmacht errichtet hatte, fliehen kann. Seine Eltern und Geschwister werden von den Nazis deportiert und ermordet. Nur Wladyslaw, der berühmte Klavierspieler, entkommt den Todestransporten mit viel Glück, der Unterstützung durch polnische Familien und der Hilfe des deutschen Offiziers Wim Hosenfeld.

Kleine Gesten erzeugen die Glaubwürdigkeit

Der von Roman Polanski inszenierte Film beeindruckt mit einem traurigen Ton, der die gesamte Geschichte durchzieht. Es ist die dichte Atmosphäre des wechselhaften und scheinbar launischen Glücks, die den Zuschauer nicht loslässt.
Dabei spielt Adrien Brody in der Rolle von Szpilman so überzeugend und ehrlich, dass er jeden in den Bann des menschlichen Wahns und dennoch Hoffens hineinzieht. Als er auf den Deutschen trifft, wirkt er ausgeliefert, ohne auch nur eine große Geste zu tun. Machtlos steht er da, sein Schicksal erwartend.
Und auf der anderen Seite steht Hosenfeld, gespielt von Thomas Kretschmann, der, ohne das Pathos des Retters, dem Verfolgten hilft. Nur in seinen Augen ist das Mitgefühl zu erkennen, für einen Menschen, der Hilfe braucht. Zum Ende des Films sieht man die Rettung Szpilmans. Die Rote Armee ist in Polen einmarschiert und hat die Besatzungmacht vertrieben. Von einem Freund erfährt der Pianist die Geschichte über einen deutschen Soldaten, der in einem russischen Gefangenenlager erzählte, den Pianisten Szpilman gerettet zu haben. Wladyslaw versucht den Mann zu finden, doch längst hat die Rote Armee die Gefangenen weggeschafft. Szpilman konnte seinem Retter nicht mehr helfen. Im Abspann erfährt man, dass der Offizier Hosenfeld in einem russischen Gefangenenlager 1952 gestorben ist. Das Glück ist eben nicht immer gerecht.

Eine ganz persönliche Geschichte

Polanski, der längst zu einer Filmlegende geworden ist, hat selbst das Warschauer Ghetto als Kind erlebt. Seine Mutter wurde deportiert und ermordet. Der junge Roman Polanski konnte aber mit seinem Vater fliehen. Der 1933 geborene Regisseur hat mit dem Film Der Pianist ein Denkmal auf Zelluloid geschaffen. Er weiß leider nur zu gut um den Verlust der Familie und den Verlust menschlicher Unschuld und gerade deshalb hat dieser Film eine solche Authentizität und Kraft.


„Der Pianist“ (Frankreich/Deutschland/Polen 2001)
seit dem 24. Oktober 2002 in den deutschen Kinos
Länge: 149 Minuten
Regie: Roman Polanski
Buch: Ronald Harwood
Vorlage: Wladyslaw Szpilman
Kamera: Pawel Edelman
Mit:
Adrien Brody (Wladyslaw Szpilman)
Thomas Kretschmann (Wim Hosenfeld)
Frank Finlay (Der Vater)
Maureen Lipman (Die Mutter)
Ed Stoppard (Henryk)
Julia Rayner (Regina)
Jessica Kate Meyer (Halina)
Emilia Fox (Dorota)

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