Das Imperium Kirch – Ein unübersichtliches Medien-Monster

Verschachtelung hoch drei

Die Selbstauskunft von KirchMedia zur Unternehmensstruktur des Kirch-Konzerns scheint ausführlich, ist aber unübersichtlich-undurchsichtig. Ein Grund, warum Kirch Dauerkunde der Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK) ist.

Um die Kirch-Unternehmensstruktur zu verstehen, muss man schwindelfrei sein. Diagramme, wie man sie im Verdi-Bericht zur Ökonomie der Medienunternehmen findet, wuchern über DIN A4-Doppelseiten mit einem unübersichtlichen Dickicht von Verbindungspfeilen. Ein Heer von Holdings gibt es da, unter den Namen Kirch, Taurus oder anderen. Sie sind ineinander verschachtelt und scheinen sich gegenseitig zu besitzen, auch über den Umweg von Beteiligungen an ausländischen Firmen.Und Sohn Thomas Kirch mischt beim Familienunternehmen Kirch fleißig im Reigen der Firmen und Tochterfirmen mit.

Grundsätzlich kann man jedoch sagen, dass das Kirch-Imperium in drei „Provinzen“ zerfällt:Die KirchMedia GmbH, die KirchBeteiligungs GmbH und die KirchPayTV GmbH. Der Spiegel versuchte sich an einer vereinfachten Darstellung der Kirchgruppe.

Fernsehen und mehr aus einer Hand: Die KirchMedia GmbH

Wichtigster Teil des Dreigestirns ist die KirchMedia GmbH, die zu fast 80% in den Händen des Familienunternehmens Kirch ist. Den Rest teilen sich US-Groß-Unternehmen, wie Capital Research und die Lehman Brothers; aber auch der italienische Medienriese Berlusconi und die deutsche REWE-Gruppe sind an dem Kuchen beteiligt.

Ob Entertainment, Kino- und Fernsehfilme, Serien, Nachrichten oder Sport – weder private oder öffentlich-rechtliche Sendeanstalten kommen an der KirchMedia vorbei. Selbst der Medien-Großkonzern Bertelsmann ist in diesem Rennen um die Vorherrschaft auf dem TV-Markt abgeschlagen.

Über den Kunstgriff, mit Tochtergesellschaften in allen Bereichen des Medienbranche von Film und Fernsehen präsent zu sein, hat KirchMedia nicht nur weite Teile der deutschen TV-Landschaft fest im Griff; in vielen Bereichen bildet der Konzern sogar eine geschlossene Produktionsschleife:

Teile des Fernsehunternehmens ProSiebenSat.1 Media AG, wie die einschaltstarken Kirch-Privatsender Sat.1, ProSieben oder Kabel 1, senden, was Kirch-Töchter, wie Taurus Produktion, CBM oder Janus produziern. Lizenzen für fast 80 000 Programmstunden, deutschsprachig und international, werden im Bereich Fiction von den Firmen Taurus Lizenz oder Beta Film vertrieben, ebenfalls KirchMedia-Ableger. Wer europäischen Spitzenfußball, Formel 1 oder andere Sport-Großereignissen senden will, muss sich fast immer an die ISPR oder andere Teile der KirchSport GmbH wenden. Mit Junior.TV, einem Joint Venture mit der internationalen EM.TV & Merchandising AG, kontrolliert KirchMedia die Lizenzen von über 15 000 Stunden Kinderprogramm.

Sahnestücke runden den KirchMedia-Kuchen ab: die Synchron-Studios der ehemaligen DEFA-Filmstudios und das riesige Archiv der Taurus Mediatechnik mit über 2 Millionen Filmrollen und Sendebändern .

Medien-Giganten unter sich: Die KirchBeteiligungs GmbH

Als wäre die Vorherrschaft im TV-Bereich noch nicht genug, greift Kirch mit der KirchBeteiligungs GmbH, zu 100 % sein Eigen, nach weiteren bedeutenden Bereichen in der Medienwelt:

Ein wichtiger Posten der KirchBeteiligungs GmbH sind ihre Anteile am Axel-Springer-Verlag. Rund 40 % gehören Kirch – noch. Durch die Teilhaberschaft an dem Mediengiganten wurde Kirchs TV-Imperium um erhebliche Marktanteile aus dem Print- und Hörfunkbereich ergänzt: Zeitungsnamen, wie „Bild“, „Die Welt“ und „HÖRZU“ oder Radiosender, wie „RSH“, „Antenne Bayern“ oder „Radio FFN“ kennt fast jeder.

Prominentes Stück in der Sammlung von KirchBeteiligung ist auch die Constantin Film GmbH, die Kirch zu gut 20 % gehört. Mit nationalen und internationalen Kinorennern, wie „Das Boot“, „Der mit dem Wolf tanzt“ oder „Der Name der Rose“ machte sich die Kinoproduktionsfirma weltweit einen Namen.

TV-Kanäle, wie tv.muenchen oder Hamburg 1, nehmen sich da eher wie ein privates Hobby von Leo Kirch aus.

In den Sand gesetzt: Die KirchPayTV GmbH

Als Achillesferse der Kirch-Gruppe entpuppte sich die KirchPayTV GmbH, die im Moment noch zu knapp 70 % von Kirchs Taurus Holding GmbH gehalten wird.

Premiere World, wichtigstes Projekt von KirchPayTV, hätte eigentlich eine ergiebige Ader der Mediengoldmine Kirch werden sollen. Mittels Rechteeinkauf der PayTV Rechtehandels GmbH, vor allem im Bereich Film und Sport, sollten Spartenkanäle mit rund 20 000 werbungsfreien Programmstunden monatlich den TV-Abonnenten locken.

Mit seinen Investitionen im Programm- und Servicebereich von Premiere hat sich der Medienriese Kirch jedoch offenbar verhoben. Zu wenige TV-Zuschauer waren bereit, sich die Anschaffung eines Decoders und ein Abonnement zu leisten. Die Kundenzahlen stagnieren und Premiere schreibt nach wie vor rote Zahlen.

Und Rupert Murdoch, australisch-britisches Gegenstück zu Leo Kirch, streckt die Hand nach dem Rest von Kirchs PayTV-Unternehmen aus, das ihm bereits jetzt schon zu über 20 % gehört…


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