Bowling for Columbine

 

In seinem neuen Film geht der Regisseur Michael Moore der Frage nach, warum die Amerikaner so schießwütig sind. Herausgekommen ist eine Dokumentation in Spielfilmlänge. Von Florian Baumann.

Filmplakat: Bowling for ColumbineSind wir verrückt nach Waffen, oder sind wir nur verrückt? Das ist die Frage, von der Bowling for Columbine ausgeht. Um sie zu beantworten, machte sich Michael Moore von Los Angeles in Richtung Littleton im US-Staat Colorado auf. Jenem Ort, wo 1999 zwei Schüler in der Columbine High School 16 Mitschüler und einen Lehrer erschossen.

Columbine High School

Anfangs wollte Moore nur einen Dokumentarfilm über das Massaker von Littleton drehen. Aber auf seinem Weg nach Colorado zeigt sich, dass Littelton überall in Amerika sein könnte: Waffenmessen, paramilitärische Milizen und Amokläufer so weit die Kamera reicht. Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist auch das Land des unbegrenzten Waffenbesitzes.

„Aus meiner kalten, toten Hand“

Wenige Tage nach dem Amoklauf in der High School hielt die National Rifle Association (NRA) eine große Kundgebung ab. Nur wenige Kilometer vom Schauplatz des Massakers entfernt. Wie auch später in Flint, wo nur ein sechsjähriger, eine gleichaltrige Mitschülerin erschießt. Auf beiden Veranstaltungen spricht der Schauspieler Charlton Heston, Westernheld vergangener Jahrzehnte und Chefpropagandist der NRA. Und beide Male sagt er das Selbe: Er lasse sich seine Waffe höchstens aus seiner kalten toten Hand winden.

We are Columbine

Stellenweise wirkt Bowling for Columbine wie die Abschlussarbeit einer Filmhochschule mit kleinem Budget. Immer wieder ist das Bild verwackelt und der Ton rauscht. Das schmälert die Qualität des Streifens aber in keiner Weise. Der Film lebt von einer ganz besonderen Art Humor und einer im Kino selten erreichten Intimität. Moore spricht mit Eltern, die bei der Erinnerung an ihre toten Kinder in Tränen ausbrechen. Dabei lässt er sich nicht auf das Niveau reißerischer Vorabend -Dokus herunter, sondern zeigt sich als einfühlsamer Gesprächspartner. Zu den makaberen, aber guten Gags des Films gehört das Motto: „We are Columbine“. Dieser Leitspruch steht sowohl in der Aula der High School, als auch auf den LKWs des ortsansässigen Waffenherstellers Lockheed Martin.

Second Amendment

Die Reise endet auf der Terrasse Hestons. Als Moore diesen bittet, sich bei den Eltern der toten Kindern von Litelton und Flint zu entschuldigen ist der Alt-Star völlig perplex. Entschuldigen? Nur, weil er mitten in die Trauer hinein seine verfassungsmäßiges Recht auf Waffenbesitz verteidigt hat? Schließlich ist es geradezu die Pflicht jedes guten Amerikaners, sich und seine Familie zu schützen. Auch mit Waffengewalt. Und genau darin liegt eine der Antworten, die dieser Film gibt: Amerika lebt in einem Zustand der dauernden Angst. Seit der Unabhängigkeit von England bis hin zum 11. September 2001. Die Bedrohung lauert immer und überall! „Bowling for Columbine“ (USA 2002)ab 21. November 2002 in den deutschen KinosDrehbuch: Michael MooreProduzenten: Kathleen Glynn, Michael Donovan, Charles Bishop, Jim Czarnecki und Michael MooreAusführender Produzent: Wolfram TichyRegie: Michael Moore

Foto: Copyright liegt bei Prokino

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