Blaues Gold

Die Erde ist zu 75% mit Wasser bedeckt, doch nur 2,5% sind als Trinkwasser nutzbar. Schon heute leiden 1,2 Milliarden Menschen, vor allem in den Entwicklungsländern, unter Wasserknappheit. Die Frage, wie das kostbare Nass zukünftig gerechter verteilt werden kann, ist eine der wichtigsten entwicklungspolitischen Probleme der nächsten Jahre. In Europa herrscht indessen Unklarheit darüber, wer zukünftig das Wasser verteilt.

RWE auf dem Weg zum Global Player

Lag die Versorgung bisher in den Händen öffentlicher Unternehmen, wird seit einigen Jahren über die Privatisierung des Marktes nachgedacht. In Deutschland ist es vor allem der RWE-Konzern, der das große Geschäft wittert und massiv versucht, weltweit in der Wasserwirtschaft mitzumischen. Nach dem britischen Thames Water-Konzern hat RWE zuletzt American Water Works aufgekauft und ist damit drittgrößter Wasserversorger der Welt. Der Handel mit Wasser scheint sich zu lohnen. Ein Viertel des Gesamtgewinnes erwirtschaftet RWE dem jüngsten Geschäftsbericht zufolge mit diesem Unternehmenszweig.

Die Entscheidung liegt auf Eis

Gerne würde der Konzern auch in der Bundesrepublik die Wasserversorgung übernehmen, doch bislang bremste die Politik der Bundesregierung. „Im Wirtschaftsministerium liegen die Anträge auf Eis, die Politik drückt sich vor einer endgültigen Entscheidung über die Zukunft der Wasserversorgung“, sagt Rüdiger Rosenthal vom BUND. „Das wird erst nach der Wahl im Herbst auf der Tagesordnung stehen“, vermutet er. Denn die Marktöffnung ist umstritten. In einem Antrag auf nachhaltige Wasserwirtschaft von Bundestagsabgeordneten verschiedener Fraktionen heißt es, dass „Wasser kein handelbares Wirtschaftsgut, wie jedes andere ist“. Und dass aus diesem Grunde davon abzusehen sei, die Wasserversorgung in die Hände privatwirtschaftliche Unternehmen zu geben.

Die Erfahrungen schrecken ab

Negativ Beispiele in Großbritannien und Bolivien haben gezeigt, dass für den Verbraucher kaum Vorteile aus der Liberalisierung erwachsen: die Wasserqualität sank, während die Preise um bis zu 20% stiegen. Aber man muss nicht in die Ferne schweifen, um Argumente gegen die Liberalisierung zu finden. Die Stadt Potsdam hatte für kurze Zeit ihre Wasserversorgung einem privaten Anbieter übertragen. Nach zwei Jahren waren die Preise derart in die Höhe gestiegen, dass die Bevölkerung protestierte und die Kommune das Wasserwerk schließlich zurück kaufen musste.

„Wir müssen die Öffentlichkeit über die Folgen der Marktöffnung aufklären, damit Protest laut wird“, sagt Rüdiger Rosenthal. Falls sich die Regierung nach der Wahl für die Liberalisierung entscheidet, werden die Preise steigen. In manchen Afrikanischen Staaten zahlen die Bürger schon heute bis zu 75% ihres Monatslohns für die Versorgung mit sauberem Trinkwasser. „Im Regelfall können durch effizientere Lösungen die Preise gesenkt, aber mindestens gehalten werden“, versichert Vera Becher-Andre von RWE-Aqua. Aber die Regel wird wohl sein, dass für Großabnehmer die Preise sinken, kleinere Städte und Kommunen aber draufzahlen müssen.

Ist sauberes Wasser ein Menschenrecht?

Neben all den finanziellen Unannehmlichkeiten gibt es aber auch den ethischen Aspekt. Riccardo Petrella schreibt in seinem Manifest „Wasser für Alle“, dass Wasser „Allgemeingut und ein Menschenrecht“ sei, für dass andere Grundsätze gelten müssen, als für Öl oder Strom. Denn ohne Öl kann der Mensch leben, ohne Wasser nicht einmal drei Tage. Es bleibt zu hoffen, dass sich die Politik auch nach den Wahlen ihrer Verantwortung noch bewusst ist.

 


Weiterführende Links:

Internationale Süßwasser-Konferenz

Wasser-Agenda des Bundesumweltamtes

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