Genua im Zeichen des G8-Gipfels – Eine Stadt wird zum Sperrgebiet

Ein Rekordaufgebot von 20.000 Polizisten und Soldaten soll den Veranstaltungsort im Herzen der verwinkelten ligurischen Hafenstadt sichern. Demonstrationen sind allenfalls in der Periferie geduldet. Organisatoren erwarten dennoch etwa 100.000 Protestierende gegen die ihrer Meinung nach ungerechten Effekte der Globalisierung.

G8-Grafik.jpgRote und Gelbe Zonen

Aus einer Verfügung des Präfekten von Genua vom 2.6.2001 geht hervor, dass das öffentliche Leben im Zentrum der Stadt zwischen dem 18. und dem 22. Juli weitgehend lahmgelegt wird. In einer sogenannten „Roten Zone“ rund um das Hafenbecken und den benachbarten Tagungsort ist jeglicher öffentliche und private Verkehr bis auf wenige Ausnahmen verboten. Nur Anwohner haben Zutritt. Der Fährhafen ist gesperrt, ebenso der Flughafen. Etwa 100.000 Passagiere sind von den Sperrungen betroffen. Einige Reedereien haben an diesem traditionell sehr verkehrsreichen Wochenende inmitten der touristischen Hauptsaison ihre Abfahrten komplett annullieren müssen, andere werden sie in die östlich gelegenen Städte La Spezia und Livorno verlegen.Inwieweit die Stadt noch per Bahn von auswärts erreicht werden kann, ist derzeit noch unklar. Auch der Hauptbahnhof Piazza Principe wird möglicherweise gesperrt.An die rote schließt sich die „Gelbe Zone“ an, in der öffentliche Kundgebungen aller Art verboten sind. Damit sind sämtliche Demonstrationen in der Innenstadt untersagt.

Materialschlacht

Mit diesen Maßnahmen wollen die italienischen Behörden Göteborger Zustände verhindern. Besondere Schwierigkeiten bereitet ihnen dabei die ungünstige Lage der Stadt. Äußerst lang und dabei sehr schmal und verwinkelt an die Hänge des Apennin gebaut, kann sie leicht von Demonstranten blockiert werden. Ein Rekordaufgebot an Mensch und Material (15 Hubschrauber, 4 Flugzeuge, 7 Marineschiffe) soll das Zentrum von Störern frei halten.Italiens Regierungschef Berlusconi nannte die Wahl des Tagungsortes zwar „unglücklich„. An der Entscheidung seines Vorgängers D'Alema aus dem Jahr 1999 ist freilich nichts mehr zu ändern. Zwischenzeitliche Gedanken, den Gipfel auf einem Schiff vor der Stadt stattfinden zu lassen, wurden wieder verworfen.Um die Situation ein wenig zu entspannen, wurde das vorgelagerte Treffen der Außenminister nach Rom verlegt.

Gute Absichten

Trotz der massiven Sicherheitsmaßnahmen zeigt man sich von offizieller Seite dialogbereit. Friedliche Demonstranten seien willkommen. Wie die allerdings angesichts der weiträumigen Absperrungen an den Ort des Geschehens kommen sollen, ist ungewiss; dass sie es versuchen werden dagegen nicht. Auf Internetseiten wird bereits Rechtshilfe geleistet: Wieviel darf man sich leisten, ohne gleich in Gewahrsam genommen zu werden.

Fast schon rührend scheint die Reminiszenz des genuesischen Stadtrats Gianfranco Bonifai an die gute alte Zeit des Widerstands. Gegenüber BBC erinnerte er an die große Tradition der Massenbewegungen im Gründungsort der Sozialistischen Partei Italiens. Als einzige italienische Stadt hätte man sich noch vor Ankunft der Alliierten von den Nazis befreien können. Das offene Wort hätte hier Tradition.Fragt sich nur, wo man diesmal zwischen Belagerern und Befreiern den Trennungsstrich zieht.

Graphik: Copyright liegt bei: www.genoa-g8.org/


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