Das Leben des Klaus Mann

21. Dez 2001 | von | Kategorie: Politisches Buch

Ein Leben zwischen Hoffnung und Resignation. Zwischen Lebenswillen und Todestrieb. Klaus Mann war die wohl schillerndste Persönlichkeit der Familie Mann. Michael Kolkmann hat seine Biografie gelesen.

klausmann.jpgDie jüngst im Fernsehen ausgestrahlte Verfilmung der Lebensgeschichte der Literatenfamilie Mann von Heinrich Breloer bescherte dem Sender Arte nicht nur neue Einschaltrekorde, die Verfilmung wurde zudem von nahezu allen Rezensenten sehr positiv aufgenommen. Die vielschichtigste Persönlichkeit dieser Familie Mann ist ohne Zweifel, der im Jahre 1906 geborene Klaus Mann. Ältester Sohn von Thomas und Katia Mann. Ein exzentrischer, arbeitswütiger, homosexueller, drogenabhängiger Schriftsteller, der zeitlebens unter seinem berühmten Vater leidet.“Werde ich je aus seinem Schatten treten? Reichen meine Kräfte so lang?”, fragt er in seinem Tagebuch.

Leben und Werk

Nicole Schaenzler erzählt in ihrer Biografie die Geschichte seines ruhelosen Lebens. Bereits als Zwölfjähriger verfasst er erste Texte und spielt, zusammen mit seiner älteren Schwester Erika, eigene Theaterstücke. Später geht er als Theaterkritiker nach Berlin und unternimmt mit Erika eine Weltreise. Daneben steht stets das Verfassen von Erzählungen, Rezensionen und Aufsätzen.

An vielen Beispielen schildert Schaenzler, wie Klaus Mann für sein Werk extensiv aus seinem eigenen Erleben schöpft. Ähnlich wie sein Vater Thomas lehnt er in seinen Werken fiktionale Charaktere an reale Personen aus seinem Lebensumfeld an. So auch in seinem Buch Mephisto. Roman einer Karriere. Dieses erzählt die Geschichte eines Künstlers, der für die Karriere sein künstlerisches Talent und seine Seele an die Nazis verkauft. Als reales Vorbild diente der Schauspieler und Regisseur Gustaf Gründgens. Ein Roman mit Folgen: 1966 wird das Buch in Deutschland wegen Beleidigung des bereits verstorbenen Gründgens verboten, erst 1981 erfolgt ein Neudruck.

Dem opportunistischen Charakter des Romans setzt Mann, laut Schaenzler, die “aufrechte, charakterfeste, unbeugsame Gesinnung des deutschen Intellektuellen” gegenüber. Diese Gesinnung findet Klaus Mann jedoch nicht im Dritten Reich, sondern erst draußen, im Exil, in das er 1933 geht.

Das Exil: der Wendepunkt

Dieser Gang ins Exil, zunächst nach Südfrankreich, dann über Amsterdam in die Vereinigten Staaten, wird für Klaus Mann zum Wendepunkt – so auch der Titel einer späteren Autobiografie. Aus dem jungen, rastlosen Geschichtenerzähler wird der verbittert gegen das NS-Regime kämpfende politische Schriftsteller. Die Argumentationslinie aus Mephisto setzt Mann in Der Vulkan fort, wenn auch unter anderen Vorzeichen. Ging es in jenem um den Opportunismus des Mitläufers, geht es in diesem um den Widerstandswillen des Exilanten.

Zugleich erfährt das zentrale Motiv eine Erweiterung ins Globale hinein: “Durch den Faschismus wird nicht (mehr) allein der einzelne existenziell bedroht, sondern jetzt steht der Weltfrieden auf dem Spiel”. Immer mehr wird für Klaus Mann deutlich, dass neben das Wort die Tat treten muss, um dem Nationalsozialismus entgegenzutreten. Es kommt zur “Synthese von Geist und Aktion im Kampf gegen den Faschismus”. Mann reist zunächst als Kriegsberichterstatter in den spanischen Bürgerkrieg und dient später in der amerikanischen Armee.

Flucht in die Droge

Auch im Exil bleibt er ein Außenseiter, ein Einsamer im Schatten des berühmten Vaters. Einen vermeintlichen Ausweg findet Klaus Mann im Drogenrausch. Schaenzler sieht Manns Leben “zwischen Hoffnung und Resignation, Schwäche und Stärke, Langeweile und Rastlosigkeit, Liebesverlangen und Bindungsscheu und vor allem Lebenswille und Todestrieb”. Auf diese inneren Widersprüche reagiert er auf zweierlei Weise: “mit dem lebensbejahenden Drang zu schreiben und dem tödlichen Hang zur Droge”.

Im Kampf gegen die Droge bleibt Mann Verlierer. Mehrere Entziehungskuren, die er absolviert, helfen stets nur für kurze Zeit. Am Abend des 20. Mai 1949 nimmt er in einer kleinen Pension in Cannes eine tödliche Dosis Schlafmittel ein. Es ist einer seiner ungezählten Selbstmordversuche. Doch diesmal gelingt er. Am Abend des darauffolgenden Tages stirbt Klaus Mann in einem Krankenhaus.

Fazit

Was das Buch von Nicole Schaenzler unbedingt lesenswert macht, ist nicht nur, dass sie anhand vieler Zeitzeugen, Tagebucheintragungen und anderer Quellen das Leben Klaus Manns detailliert und umfassend schildert und so lebendig werden läßt. Als ausgebildete Germanistin setzt sie sich zudem ausführlich und kundig mit Klaus Manns Romanen, Artikeln, Aufsätzen und Autobiografien (er schrieb gleich zwei) auseinander und webt diese jeweiligen Werke in Manns allgemeinen Lebenslauf. So werden die Werke aus ihrer unmittelbaren Schaffenssituation heraus für den Leser nachvollziehbar. Ein ausführlicher Anmerkungsapparat sowie ein umfassendes Literaturverzeichnis laden zum Selber- bzw. Weiterlesen ein.

Nicole Schaenzler: “Klaus Mann. Eine Biographie.” Aufbau Taschenbuch Verlag, 2001, 612 Seiten24,90 DM, 12,50 EURISBN 3-7466-1749-9.

Copyright des Bildes liegt beim Internet-Angebot des WDR, http://www.wdr.de.


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